[Analyse] Warum Kalifornien die Homo-Ehe wieder abgeschafft hat

Die Worte des frischgewählten amerikanischen Präsidenten Barack Obama hallen über Chicago: „Amerika hat eine Nachricht an die Welt geschickt: Wir sind nicht schwarz, weiß, homosexuell, heterosexuell… Wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Der Wandel ist da. Über alle Parteigrenzen hinweg!“ Doch gerade viele Lesben und Schwule merken in diesen Stunden nichts von diesem neuen, weltoffenen Amerika. Im Gegenteil: In vier Bundesstaaten hat sich das Volk am Wahltag gegen sie gerichtet.

In Arkansas können schwule und lesbische Paare jetzt keine Kinder mehr adoptieren. In Arizona haben Gegner der Homo-Ehe ihren Antrag, die Ehe in der Verfassung als Verbindung zwischen Mann und Frau festzuschreiben, nach einem Rückschlag vor zwei Jahren durchgebracht. In Florida erreichen die Gegner der Homo-Ehe die erforderlichen 60% der Stimmen knapp, aber doch klar.

Besonders bitter: In Kalifornien ändern 52% der Wähler das derzeit geltende Recht: Lesben und Schwule dürfen in dem Sonnenstaat an der Westküste nicht mehr heiraten, nachdem sie dieses Recht erst vor wenigen Wochen erstritten haben.

Für die Homo-Ehe waren in Kalifornien fast nur die kleinen aber bevölkerungsreichen Bezirke am Meer. Der Rest des Landes war dagegen. Besonders paradox: Gerade diejenigen, die den Wechsel in Washington möglich machen wollten, haben ihn in Kalifornien verhindert. Schwarze und untere Bildungsschichten gehören zu den großen Gegnern der Ehe für Lesben und Schwule. Dass sie diesmal so zahlreich zur Wahl gegangen ist, brach den Befürwortern – Weiße, Asiaten, Promis, Gebildete, Bürgerrechtler – das Genick.

Für die kalifornischen Lesben und Schwulen bleibt als Hoffnung derzeit die andere Seite des Landes. An der Ostküste, in Connecticut, haben die Richter ebenfalls beschlossen, dass es gegen den Gleichheitsgrundsatz der Verfassung verstößt, wenn Lesben und Schwule nicht heiraten können – genau wie in Kalifornien. Ab 12. November können gleichgeschlechtliche Paare dort heiraten. Zumindest, bis sich die christlichen Fundamentalisten auch dort aufgestellt haben.