Moskau: Schwulen-Randale beim Song Contest?

Lesben und Schwule fürchten auch heuer wieder um ihre Sicherheit beim Eurovision Song Contest. Letztes Jahr in Belgrad warnten Flugblätter die Teilnehmer davor, ihre sexuelle Orientierung in der Öffentlichkeit zu zeigen. Nach dem Sieg des Russen Dima Bilan mit seinem Lied „Believe“ im Vorjahr fürchten zahlreiche schwule und lesbische Song-Contest-Fans heuer Mitte Mai in Moskau ähnliche Gefahren.

Das Tourismusamt der russischen Hauptstadt wiegelt ab: „Moskau ist bekannt dafür, dass es eine Stadt ist, die Respekt für Menschen hat, egal welcher Religion sie angehören oder wie sie ihr Wesen nach außen hin ausdrücken“, so Sergej Ananov vom Moskauer Tourismusamt. „Alle Leute, die die öffentliche Ordnung respektieren und ihre Meinung nicht in einer Art anderen aufzwingen, die gegen das Gesetz verstößt, werden nicht kritisiert werden“, zitiert das deutsche Portal queer.de Ananov.

Für lesbischwule Aktivisten in Moskau ist der letzte Satz eine Drohung. Denn sie wollen ihre Parade 2009 am Tag des Song-Contest-Finales veranstalten. In den letzten Jahren war der Moscow Pride immer verboten worden, es gab gewalttätige Ausschreitungen gegen Teilnehmer, unter anderem auch HOSI-Wien-Generalsekretär Kurt Krickler.

Paradenorganisator Nikolai Alekseew spricht auch von „purer Heuchelei“: „Drei Jahre lang haben die Behörden nichts für Sicherheit für Schwule und Lesben getan, die nur ihre Meinung kundtun wollten“. Man zwinge anderen nicht die eigene Meinung auf, sondern wolle nur einfache Grundrechte für eine Minderheit durchsetzen, so Alekseew.

Für die russische Hauptstadt Moskau wäre es ein PR-Fiasko, wenn es am Tag des weltweit übertragenen Song-Contest-Finales zu Straßenschlachten wegen der Lesben- und Schwulenparade käme.