Vizechef des St. Pöltner Sex-Priesterseminars jetzt in München

Wolfgang Rothe, der nach dem Sex-Skandal im Priesterseminar St. Pölten suspendiert wurde, ist wieder in der römisch-katholischen Kirche als Seelsorger tätig.

Der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng hat einen „pastoralen Einsatz“ des ehemaligen Vizeleiters des Seminars in München genehmigt. In einer Aussendung heißt es: „Nachdem Dr. Rothe (…) eine längere Zeit der Besinnung in einem Kloster verbracht hat, (…) konnte Bischof DDr. Küng einen pastoralen Einsatz dieses Priester genehmigen. Dieser Einsatz von Dr. Rothe erfolgt jedoch probeweise, befristet, mit gewissen Einschränkungen sowie unter fachlicher Hilfestellung.“ Rothe ist probeweise für ein Jahr in einem Seniorenheim der Pfarre St. Michael in München tätig.

Rothe und der damaligen Leiter des Seminars, Ulrich Küchl, waren im Sommer 2004 wegen mehrerer Sex-Skandale im Priesterseminar zurückgetreten.

Auf Computern im St. Pöltner Seminar wurden tausende Kinderporno-Bilder gefunden. Ein Seminarist aus Polen wurde daraufhin zu sechs Monaten Haft auf Bewährung wegen des Besitzes von 1.700 Kinderporno-Bildern verurteilt.

Im Wochenmagazin „profil“ tauchten auch Fotos von einer Weihnachtsfeier auf, die sich küssende Geistliche zeigten, darunter auch Rothe.

Der damalige Bischof Kurt Krenn bezeichnete diese Bilder als „Bubensteiche“ und erklärte, dass die Sexaffäre „keine Riesengeschichte“ sei. Krenn erhält daraufhin vom Papst einen Maulkorb und wird später aufgefordert, seine Ämter aufzugeben. Am 29. September 2004 tritt Krenn als Folge der Affäre zurück.

Rothe und Küchl wollten gegen die Vorwürfe von homosexuellen Beziehungen mit Schülern im Priesterseminar klagen, die Klage wurde aber mehrmals abgewiesen. In einer Aussendung meinte er damals: „Das Vertrauen und die Ermutigung zahlreicher Menschen, die mich kennen und die gegen meine Person in den Medien erhobenen Anschuldigungen als schlichtweg undenkbar zurückgewiesen haben, geben mir die Kraft, nach Tagen tiefster Verzweiflung und Dunkelheit den Kampf um Wahrheit, Gerechtigkeit und Ehre aufzunehmen, wenngleich ich mir bewusst bin, dass es sich um einen Kampf Davids gegen Goliath handelt.“

Erst im Frühjahr hat der Vatikan die Suspendierung von Rothe und Küchl wieder bestätigt.