Zwang Ludwig II. von Bayern seine Reitersoldaten zum Sex?

Bayerns Märchenkönig Ludwig II. soll ihm untergebene Reitersoldaten sexuell missbraucht haben. Das behauptet der Heidelberger Psychiater und Neurologe Heinz Häfner in seinem neuesten Buch „Ein König wird beseitigt: Ludwig II. von Bayern“.

Und er kann das auch beweisen: „Es gibt eindeutige Briefe des Königs an Lakaien mit dem Hinweis, diese sofort zu verbrennen, was offenbar nicht geschehen ist“, so Häfner. Diese Schreiben ließen es nicht an „anatomischer Deutlichkeit“ fehlen. „Die homosexuellen Neigungen des Königs wurden doch damals an den Wirtshaustischen offen diskutiert“, erklärt der Autor weiter. Das war dann auch der entscheidende Grund für die Absetzung des Königs durch seinen Onkel, den Prinzregenten Luitpold.

Bayerns Königstreue sind über eine solche Demontage ihres Idols empört. „Das hat sich der Herr Professor aus den Fingern gesogen und dafür keinerlei Beweise vorgelegt“, meint Stefan Jetzt, der Vorsitzende der Königstreuen in Bayern. „Der König war viel zu katholisch, um sich an Untergebenen zu vergreifen“, ist sich Jetzt sicher. Die Vorwürfe seien eine „Ehrverletzung“ Ludwigs, der sich nicht mehr verteidigen könne.

Und auch der Berliner Ludwig-Forscher Peter Glowasz hält die neuen Erkenntnisse für „abscheuliche Unterstellungen“ ohne „seriöse Quellen“. Die

von Häfner angeführten Briefe signalisierten zwar ein sexuelles Interesse des Königs an Männern, Beweise für einen „tatsächlichen homosexuellen Verkehr“ gebe es aber nicht.

Häfner tut es leid, dass sein Buch nur wegen dieses Kapitels diskutiert wird. Immerhin hat er in seinem Buch auch schlüssig dargelegt, dass Ludwig nicht geisteskrank war, wie es bis heute behauptet wird. „Ludwig war ein geistig hochbegabter, gewissenhafter und intensiv künstlerisch interessierter Mann.“ Auch meint der Autor, dass Ludwigs historische Verdienste, wie die Gründung der Technischen Universität München, bis

heute zu Unrecht verschwiegen werden.

Ludwig II. war sehr schüchtern, erklärt Häfner. Deshalb hat er auch seine repräsentativen Verpflichtungen in der Öffentlichkeit vernachlässigt, aber nicht seine Regierungsgeschäfte: „Er war beim Regieren extrem sorgfältig, litt aber wegen seiner sexuellen Neigungen massiv an Schuldgefühlen“.

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