HIV-Neuinfektionen stagnieren auf hohem Niveau

Mehr als ein Drittel der HIV-Positiven in Österreich sind homo- oder bisexuell. Das geht aus aktuellen Studien hervor, die zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember veröffentlicht wurden. So sind seit der Entdeckung des HI-Virus in Österreich im Jahr 1993 insgesamt 2.658 Personen an Aids erkrankt, 1.479 von ihnen starben an der Immunschwäche.

Derzeit gibt es in Österreich etwas mehr als 1.150 Aids-Patientinnen und -Patienten. Der Anteil der Homo- und Bisexuellen an den Erkrankten beträgt dabei 34,4 Prozent, jener der intravenösen Drogenkonsumenten 24,1 Prozent. 19,8 Prozent der Erkrankten sind heterosexuell, bei einem Prozent (26 Fälle) fand die Übertragung von der Mutter auf das Kind statt. Vier von fünf Erkrankten sind Männer.

Die Experten gehen von bis zu 15.000 HIV-Positiven in Österreich aus. Täglich gibt es ein bis zwei Neuinfektionen: Im letzten Jahr wurden 515 Neuinfektionen festgestellt, 2006 waren es noch 73 weniger. Besonders erschreckend: 2006 betreffen 42 Prozent der Neuinfektionen Heterosexuelle, 28,6 Prozent der Infizierten waren homo- oder bisexuell,.

Heuer dürfte sich die Zahl der neuen HIV-Infektionen etwas unter dem hohen Vorjahresniveau einpendeln. Es gibt aber eine Verschiebung nach Bundesländern, erklärt Dennis Beck, Obmann der Aids Hilfe Wien: „Zu jenen Bundesländern, in denen die Zahl der diagnostizierten HIV-Neuinfektionen weiter leicht steigt, gehört unter anderem auch Wien, wo 2008 bisher um 15 HIV-Diagnosen mehr erfasst wurden als 2007. Hochgerechnet sind österreichweit sind 2008 497 HIV-Neuinfektionen zu erwarten. Damit läge die Zahl zwar wieder unter der 500er-Marke, aber dennoch um einiges höher als in den Jahren 1994 bis 2006.“

Pro Jahr werden in Österreich rund eine Million HIV-Antikörper-Tests durchgeführt, die Hälfte davon beim Blutspenden. Allerdings werden die Tests oft in der falschen Zielgruppe durchgeführt, zum Beispiel bei Pensionisten oder betagten Krankenhauspatienten. Deshalb wird trotz der vielen Tests bei vielen Betroffenen die HIV-Infektion erst im Zuge der tatsächlichen Erkrankung bekannt.