Vatikan gegen weltweite Legalisierung von Homosexualität

In 76 Ländern der Erde steht Homosexualität unter Strafe. Frankreich will im Namen der gesamten EU damit Schluss machen: Deshalb will es bei der UNO einen Projekt vorlegen, das Homosexualität auf der ganzen Welt straffrei machen soll. Der schärfste Protest dagegen kommt von einem Land, das gar kein Mitglied der Staatengemeinschaft ist: Dem Vatikan.

„Länder, die die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Personen nicht anerkennen, könnten unter Druck gesetzt werden, sollte die UNO Frankreichs Dokument annehmen“, erklärt der Vatikan-Vertreter bei der UNO, Bischof Celestino Migliore. Die Initiative sei eine politische Erklärung, mit der man eine Kategorie von Menschen vor der Diskriminierung beschützen wolle, ohne zu berücksichtigen, dass man damit neue Formen von Diskriminierung einführe, so der Bischof.

In Italien sorgen diese Aussagen für Kopfschütteln. „Der Vatikan verteidigt die Todesstrafe für Homosexuelle“, heißt es in einer Aussendung der größten italienischen Lesben- und Schwulengruppe Arcigay. „Dank des besonderen Status, den der mittelalterliche Vatikan-Staat bei der UNO genießt, kann die Kirchenlobby Druck auf alle Länder ausüben, damit zivile Rechte nicht anerkannt werden. Der Vatikan verbündet sich somit mit Diktaturen jeglicher Art, darunter auch den islamischen“, sagt Arcigay-Präsident Aurelio Mancuso.

Der italienische Staat lässt sich von den Zwischenrufen des Vatikans nicht beeindrucken: Außenminister Franco Frattini bestätigt, dass Italien wie alle anderen 26 EU-Partner Frankreichs Dokument zur Aufhebung der Strafbarkeit der Homosexualität unterzeichnet hat. Frankreich will das Dokument am 10. Dezember anlässlich des 60. Jahrestag der UNO-Menschenrechtserklärung vorlegen.

In Mauretanien, Nigeria, dem Sudan, dem Iran, dem Jemen und Saudi-Arabien droht Lesben und Schwulen gesetzlich noch immer die Todesstrafe, in acht weiteren Ländern kann es zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe kommen.