Wien: Sieben Monate Gefängnis für Bilder von nackten Burschen

Wegen fünf erotischer Bilder nackter junger Männer ist in Wien ein Mann zu sieben Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Das berichtet das Rechtskomitee Lambda. Für die Richter war es erwiesen, dass die Bilder pornografisch waren und die Burschen keine 18 Jahre alt.

Bedenklich: Pornografisch sind die Bilder, weil auf diesen der Penis erigiert ist. Damit ignoriert der Richter die bisherige österreichische Rechtsprechung, nach der – anders als zum Beispiel in Deutschland und Grossbritannien- eine Erektion alleine noch keine Pornografie macht.

Der Mann hat die Bilder von einer amerikanischen Schwulenpornoseite heruntergelanden, die versichert, alle Models seien zum Zeitpunkt der Aufnahme über 18 Jahre alt gewesen. Den Antrag von Verteidiger Helmut Graupner, sich aus den USA die Altersnachweise der beiden Burschen zu besorgen, hat das Oberlandesgericht abgelehnt.

Dafür hat das Oberlandesgericht bei der Berufungsverhandlung ein Gutachten eines renommierten Kinderarztes eingeholt – in erster Instanz meinte der Richter noch, das Alter der Burschen sei eindeutig unter 18, ein Gutachten brauche es nicht. Dieses Gutachten kam zu dem Schluss, dass die jungen Männer nicht mit Sicherheit jünger als 18 Jahre sind. Seiner Meinung nach seien sie zwischen 16 und 21 Jahren als. Mehr als 10 Prozent der 18jährigen sehen so aus wie die Burschen auf den Bildern, so das Gutachten.

Trotzdem hat das Oberlandesgericht Wien die Verurteilung bestätigt. Rund 90% Wahrscheinlichkeit waren für das Gericht Beweis genug. Für eine strafrechtliche Verurteilung würden Wahrscheinlichkeitsschlüsse genügen, so die Richter.

Helmut Graupner, Verteidiger des Mannes und Co-Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung (ÖGS), ist entsetzt: „Die Ausdehnung der strengen Strafbestimmungen gegen Kinderpornografie von 14 auf 18 Jahre, und damit auf die Abbildung sexuell mündiger und wahlberechtigter junger Menschen auch im privaten, nichtkommerziellen Bereich, war hoch umstritten. Das Vielleicht-Jugendporno-Urteil zeigt nun, dass die Kriminalisierung sogar über das 18. Lebensjahr hinaus in das Erwachsenenalter hineinreicht“, so Graupner.