Münchner Neonazis pöbeln in der Schwulenszene

Eine Spur im Fall des Neonazi-Attentats auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl führt ins liberale Münchner Glockenbachviertel, wo traditionell die lesbischwule Szene beheimatet ist. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ).

So wohnt die Freundin eines amtsbekannten Neonazis in einer betreuten Wohngruppe in der Müllerstraße. Er hatte dem wegen Verdachtes auf Beihilfe zum versuchten Mord festgenommenen Münchner Nazi-Ehepaar Manuel und Sabrina H. ein Alibi für die Tatzeit gegeben.

Nach Beobachtungen der lesbischwulen Community soll diese Wohnung außerdem gerade am Wochenende ein beliebter Treffpunkt für die als militant eingeschätzten Freien Nationalisten sein. Ihnen sind die Neulinge erstmals im Juli 2008 aufgefallen. In einem Blog hieß es: „Wenn ihr abends allein unterwegs seid und in der Müllerstraße gerade Fascho-Party ist, nützt es wenig, dass das ganze Glockenbachviertel schwul und lesbisch geprägt ist.“ Anderen Bloggern fällt auf, dass an Wochenenden regelmäßig zwischen Sendlinger Tor und Müllerstraße ein Grüppchen angetrunkener Neonazis anzutreffen sei.

Und auch Lesben und Schwule haben die Neonazis schon bedroht. So erzählt ein anonym bleibender Informant der SZ, dass eine Gruppe von sechs bis sieben Neonazis vor dem schwule Kommunikations- und Kulturzentrum „Sub“ aufgetaucht ist und die vor dem Lokal rauchenden Gäste gefragt hat: „Ist das hier das schwule Kommunistenzentrum?“. Es kam zu einer Rangelei, eine Eskalation konnte durch das Team des Sub gerade noch vermieden werden. Zu einer Anzeige kam es nicht.

Die soziale Einrichtung, die nach SZ-Informationen die betreute Wohnung bereitstellt, wollte sich auf Anfrage der Zeitung nicht zu diesem Thema äußern.

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