Italienischer Nationaltrainer kennt keine schwulen Kicker

Jetzt hat sich auch Marcello Lippi, Trainer der italienischen Fußball-Nationalmannschaft, über Homosexualität in seiner Sportart geäußert. Im Podcast einer PR-Firma erklärte er, ihm sei in den letzten vier Jahrzehnten kein schwuler Profi-Fußballer begegnet.

Zumindest habe er es nicht bemerkt: „Es könnte schon sein, dass es einige mit diesen Tendenzen gibt, aber sie gehen damit nicht in die Öffentlichkeit“, so Lippi weiter. Er selbst würde mit einem schwulen Kicker kein Problem haben: „Wenn jemand zu mir käme und gestehen würde, dass er schwul ist, würde ich ihm raten, sich davon nicht ablenken zu lassen. Er soll sich einfach auf seinen Beruf konzentrieren und in seinem Privatleben das tun, was er will“, so Lippi in dem Podcast. Probleme sieht der Weltmeister-Trainer eher nach dem Spiel. „Wenn man bedenkt, wie wir Fußballspieler nun mal sind, muss man sagen, dass es die Lage in der Umkleidekabine sehr erschweren könnte“, so Lippi weiter.

In der lesbischwulen Szene Italiens sorgen die Aussagen Lippis für geteilte Meinungen. Während einige Aktivisten die Aussagen Lippis lobten, sich für schwule Spieler einsetzen zu wollen, kritisiert der größte italienische Schwulenverband Arcigay die Aussagen des Nationaltrainers. „In einem Macho-Milieu wie dem Fußball verstecken Schwule sich noch mehr als in anderen Bereichen. So sind sie auch unsichtbar für Lippi“, erklärt der Vorsitzende von Arcigay, Aurelio Mancuso. Mit der klischeebehafteten Aussage, schwule Spieler seien in der Umkleidekabine problematisch, trage Lippi zudem „zum feindlichen Klima gegen Schwule im italienischen Profifußball“ bei.

Schwule Spitzen-Fußballer sind auch in Italien ein Tabuthema: Während erst vor kurzem ein Spieler der Serie C bekannte, mit Top-Fußballern Sex zu haben, sprach sich Nationalspieler Gennaro Gattuso zum Beispiel gegen die Homo-Ehe aus.