Holocaust-Leugner aufgenommen: Entrüstung über Vatikan

Für Entrüstung sorgte die Entscheidung von Papst Benedikt XVI., aus der Kirche ausgeschlossene Bischöfe der ultrakonservativen „Priesterbruderschaft St. Pius X“ wieder zu rehabilitieren. Die 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründete Bruderschaft wurde 1988 aus der katholischen Kirche ausgeschlossen, weil sie ohne Erlaubnis des Vatikans Bischöfe ernannt hatte. Sie lehnt auch Ökumene oder Religionsfreiheit ab.

Unter den Bischöfen der Priesterbruderschaft ist auch Richard Wiliamson, der in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen erklärt hat, kein Jude sei in deutschen Konzentrationslagern vergast worden. Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat daraufhin ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet.

Auch als erbitterter Homo-Gegner hat die Bruderschaft einen zweifelhaften Ruf erlangt. So hat sie in den letzten beiden Jahren eine Gegendemonstration zur Abschlussveranstaltung des CSD Stuttgart veranstaltet. Die Bruderschaft machte mit Botschaften wie „Rettet Kinder vor Perversion“, „Sünde macht nicht glücklich“ oder „AIDS – Geißel der Unzucht“ gegen die friedliche Parade mobil. Am Stuttgarter Marienplatz wurde öffentlich gegen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des CSD protestiert und für deren Läuterung gebetet.

Axel Schwaigert, Pfarrer der Stuttgarter Gemeinde der Metropolitan Community Church (MCC), der mit 18.000 Mitgliedern weltweit größten christlichen Gemeinschaft von Lesben und Schwulen, ist empört: „Als offene christliche Gemeinde verurteilen wir die Haltung der Priesterbruderschaft St. Pius X. auf Schärfste. Denn sie ist nicht nur diskriminierend und menschenverachtend, sondern sie widerspricht auch der freiheitlichen Grundordnung unserer Gesellschaft“, sagt Schwaigert. Christoph Michl, Vorstand des CSD Stuttgart, ergänzt: „Es ist äußerst bedenklich und macht wenig Mut, wenn eine solche Gruppe den Segen des Vatikans erhält.“

Beide fordern daher gemeinsam die katholische Kirche auf, sich von den verletzenden Äußerungen der Priesterbruderschaft klar zu distanzieren. Michl betont: „In der heutigen Zeit sind, gerade auch von einer großen Amtskirche wie der katholischen, deutliche Bekenntnisse zur Pluralität unserer Gesellschaft und zur Antidiskriminierung nötig.“