Irland: Vier von fünf Lesben und Schwulen schon beschimpft

Fast alle irischen Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender haben einschlägige Erfahrungen mit Beschimpfungen oder tätlichen Angriffen. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor.

Die Studie zeigt das Ausmaß des „Minderheiten-Stress“, unter diesem Begriff werden unter anderem Stigmatisierung, Schikanen oder Diskriminierung zusammengefasst. Demnach wurden 80 Prozent wegen ihrer sexuellen Orientierung schon beschimpft, 40 Prozent wurde deshalb Gewalt angedroht, bei 25 Prozent haben die Täter auch zugeschlagen.

Schlimm ist auch die Lage an den Schulen: 58 Prozent der Befragten wurden von Mitschülern schikaniert, weil sie schwul oder lesbisch sind, 40 Prozent beschimpft, 25 Prozent körperlich bedroht und 20 Prozent haben sogar die Schule geschwänzt, weil sie Angst hatten, verprügelt zu werden. Nur 34 Prozent haben sich auch getraut, diese Vorfälle den Lehrern zu melden.

In der Arbeitswelt sieht es etwas besser aus: Hier haben 25 Prozent ihrer sexuellen Orientierung einen unerwünschten Spitznamen zu verdanken, 15 Prozent wurden bedroht, sieben Prozent von Arbeitskollegen angegriffen.

„Vor allem jüngere Lesben und Schwule mussten diese bedauerlichen Erfahrungen machen, ohne Unterstützung zu bekommen“, sagt Odhrán Allen, Verantwortlicher für Mentale Gesundheit beim „Gay and Lesbian Equality Network“ (GLEN). Er macht auch deutlich, dass sich diese Angriffe und Drohungen negativ auf die Gesundheit der Betroffenen auswirken und „deutlich zu Psycho-Stress, Selbstverletzungen und Selbstmordgedanken“ führen kann.

Allerdings haben 81 Prozent der Befragten kein Problem mit ihrer sexuellen Orientierung, mehr als zwei Drittel sind auch bei ihrer nächsten Umgebung geoutet.

Insgesamt wurden für die Studie 1.110 Online-Fragebögen ausgefüllt und 40 Interviews geführt. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die meisten Lesben und Schwulen erkannten ihre sexuelle Orientierung mit 12 bis 14 Jahren und outeten sich zwischen 17 und 21. Im Schnitt lebten sie sieben Jahre ungeoutet. „Diese Zeitspanne der Verwundbarkeit fällt mit der Schulzeit und der Pubertät zusammen – einer kritischen Zeit für die soziale und emotionale Entwicklung“, erklärt Michael Barron, Direktor des „BeLonG To Youth Service“, die die Studie gemeinsam mit GLEN durchgeführt haben.