Großbritannien schiebt Schwulen in den Irak ab

Großbritannien hat beschlossen, einen schwulen Asylbewerber aus dem Irak in seine Heimat abzuschieben. Wie die zuständige United Kingdom Border Agency (UKBA) mitteilt, wurde der Mann schon verurteilt, weil er illegal im Land bleiben wollte. In seinem ersten Asylantrag aus dem Jahr 2001 hat er seine Homosexualität nicht erwähnt.

Jetzt protestieren lesbischwule Gruppen gegen diese Entscheidung und die Behauptung der UKBA, der Mann wäre im Iran sicher, wenn er seine sexuelle Orientierung nicht zur Schau stelle. So heißt es in einem Brief an den Anwalt des Mannes: „Auch, wenn die Sexualität ihres Mandanten bekannt würde, kann gesagt werden, dass es für ihren Mandanten möglich wäre, solche Beziehungen nach seiner Rückkehr in den Irak im Privaten zu führen. Das würde ihrem Mandanten ermöglichen, seine Sexualität auszuleben, wenn auch viel eingeschränkter als woanders.“

Jetzt hat das Immigration Advisory Service, eine Hilfsorganisation für Flüchtlinge, die Regierung aufgerufen, den Fall noch einmal zu prüfen. Vorerst wurde seine Abschiebung ausgesetzt.

Seit dem Sturz von Saddam Hussein sind im Irak mehr als 430 schwule Männer ermordet worden. Das berichtet die lokale Lesben- und Schwulenorganisation „Iraqi LGBT“. Erst im November wurde ein hochrangiger 27-jähriger Aktivist der Lesben- und Schwulenszene in Bagdad Opfer eines Anschlages. Offiziell ist Homosexualität im Irak nicht verboten, sie werden aber Opfer von militanten religiösen Fanatikern. „Die Gewalt gegen Lesben und Schwule ist Ende 2005 stark angestiegen, als der Schiitenführer Groß-Ayatollah Ali al-Sistani eine Fatwa – ein Rechtsgutachten – herausgebracht hat, nach dem Schwule und Lesben ‚auf die schlimmste und härteste mögliche Weise‘ umgebracht werden sollen“, erklärt Ali Hili von Iraqi LGBT.