Courage: „Homo-Heiler machen paranoid“

Scharfe Kritik an den Aussagen des designierten Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner, dass Homosexualität geheilt werden könne, kommt auch von der Beratungsstelle „Courage“.

„Diese Aussagen sind humanwissenschaftlich falsch.“, erklärt der Psychotherapeut und Sexualforscher Johannes Wahala, der „Courage“ leitet. „Wagner schürt damit die Homophobie und vor allem den Schwulenhass rechtsradikaler Kreise. Zusammen mit den Aussagen der Bischöfe Fischer und Laun kann man derzeit von einer Treibjagd gegen gleichgeschlechtlich empfindende und l(i)ebende Menschen in der katholischen Kirche reden, da keiner der österreichischen Bischöfe solchen menschenverachtenden Aussagen Einhalt gebietet und somit Homosexuelle scheinbar in der katholischen Kirche zum Freiwild geworden sind.“, ergänzt er.

Die sexuelle Orientierung eines Menschen entsteht aus einem komplexen Zusammenwirken biologischer, psychischer und sozialer Faktoren. Deswegen sind Versuche, Lesben und Schwule von ihrer Homosexualität zu heilen, „geradezu antitherapeutisch, unethisch und inhuman, da sie die KlientInnen nicht zur Selbstfindung führen, sondern zu einer Verleugnung und einem Vorbeileben an ihrer wahren Identität“, so Wahala weiter.

Die Beratungsstelle ist besorgt, welche Auswirkungen die Aussagen Waners auf junge Lesben und Schwule haben könnten: „Wir wissen heute, dass die Selbstmordversuchsrate in Österreich bei Homosexuellen siebenmal so hoch ist als bei Heterosexuellen. Über 90% aller Selbstmordversuche von gleichgeschlechtlich empfindenden Menschen geschehen im Alter zwischen 15 und 27 Jahren, also während des oft sehr schmerzhaft erlebten Coming-out- Prozesses. Aussagen wie die des designierten Weihbischofs verstärken die irrationalen Ängste und Vorurteile Homosexueller gegenüber sowie deren gesellschaftliche Diskriminierung und führen dazu, dass Lesben, Schwule und Transgender-Personen im Finden und Empfinden ihrer wahren Identität verstört und behindert werden.“, erklärt „Courage“-Beraterin Elsabeth Cinatl.

Und auch an der sinnlosen „Therapie“ übt „Courage“ scharfe Kritik: „Ich hoffe nicht, dass wir unsere Jugendlichen Therapeuten der sogenannten ‚Reparativ-Therapie‘ überlassen werden, die Weihbischof Wagner scheinbar propagiert. Einige dieser Jugendlichen sind nach dieser ‚Umpolung‘ schwer depressiv und zum Teil auch paranoid bzw. psychotisch zu mir gekommen.“, ergänzt Wahala.

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