Brasilien stellt Aids-Medikamente selbst her

Der brasilianische Staat hat begonnen, überlebenswichtige Aids-Medikamente selbst herzustellen. Um die Lizenzen und Patente der Pharmafirmen zu umgehen, hat Brasilien vom der Weltgesundheitsorganisation WHO bereits 2007 eine Zwangslizenz erhalten: Sie erlaubt die Herstellung von Generika-Versionen aus patentierten Medikamenten für die nichtgewerbliche Nutzung bei einem gesundheitlichen Notstand. Das südamerikanische Land hat gedroht, die Patente zu brechen, wenn es die Zwangslizenz nicht erhalten sollte.

Als erstes stellt der Staat das vom Pharmakonzern Merck entwickelte Efavirenz her: Heuer können Fabriken im Land die Hälfte der 30 Millionen benötigten Einheiten herstellen, der Rest wird aus Indien eingekauft. Ab 2010 kann Brasilien den Bedarf komplett aus eigenen Labors decken.

Außerdem plant das Gesundheitsministerium, noch heuer das patentfreie Medikament Tenofovir herzustellen. Die Eigenproduktion eines dritten Medikaments, Atazanavir, wird sich noch verzögern, da Patentinhaber Bristol-Myers sich noch querlegt.

In Brasilien waren 2007 nach UNO-Schätzungen mehr als 700.000 Menschen mit HIV infiziert, das sind 0,6 Prozent aller Erwachsenen zwischen 15 und 49 Jahren. Das staatliche Aids-Programm, das die kostenlose Behandlung der Krankheit garantiert, gilt als vorbildlich.