Köln beschließt Benimmregeln für Lesben- und Schwulenparade

Für Aufregung unter Schwulen und Lesben in Deutschland sorgt der Veranstalter des Cologne Pride, der Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST). Er hat nämlich eine „CSD-Charta“ herausgegeben, die strikte Benimmregeln für das bunte Treiben festlegt.

Dass der Umzug als „politische Veranstaltung“ definiert wird, stört niemanden. Allerdings wird in Paragraf 3 klargemacht, dass „alle Verhaltensweisen, die auch im alltäglichen Leben strafbar sind“, auch auf dem CSD verboten seien. Als Beispiele nennt die Charta „sexuelle Handlungen in der Öffentlichkeit, die Verbreitung von jugendgefährdenden Schriften sowie die Einnahme illegaler Drogen“. Der KLuST arbeite dabei „eng mit der Polizei und den Ordnungsbehörden“ zusammen. Daher seien die Helfer angewiesen, „im zumutbaren Rahmen“ verbotenes Verhalten anzuzeigen. Was ganz logisch klingt, könnte seltsame Folgen haben: So könnten die Securities jeden Wildpinkler anzeigen müssen.

Der nächste Punkt sorgt für mehr Aufregung: Die Teilnehmer sollen Taktgefühl“ bei ihrem äußeren Erscheinungsbild und beim Verhalten beweisen. Man solle die Toleranz, die Schwulen und Lesben von der Gesellschaft entgegengebracht wird, nicht durch „maßlose Provokation“ überstrapazieren. Das darf wohl so verstanden werden, dass heiße Jungs in knappen Hotpants und eindeutige Transparente den heterosexuellen Zuschauer überfordern und so zu unterbleiben haben.

Wie das deutsche Online-Magazin queer.de berichtet, ist die Ursache für die „CSD-Charta“ ein Streit um die geplante Teilnahme des Bordells Pascha beim CSD 2007. Lesben protestierten gegen eine Teilnahme des Bordells, in dem auch Kulturveranstaltungen stattfinden. Es zog seine Teilnahme dann zurück. Gegen die Präsenz eines Barebackporno-Labels hatten die AktivistInnen allerdings nichts – sehr wohl aber einige engagierte Teilnehmer.

Für den KLuST ist die Charta eine erste gemeinsame Basis für das Miteinander von Heteros, Lesben und Schwulen. „Wir wollen nicht zur Sittenpolizei des Kölner CSD werden“, verspricht zumindest KLuST-Vorstandsmitglied Sabine Arnolds gegenüber queer.de.

Die Reaktionen in der Öffentlichkeit sind geteilt. Der „Kölner Stadtanzeiger“ begrüßt die Charta, denn „exhibitionistisches Verhalten bestätigt Schwulen-Feinde in ihrem Schubladen-Denken“, meint das Blatt in einem Kommentar. Schwule Blogger wie Ondamaris befürchten allerdings, dass der CSD zu einer „Fronleichnamsprozession“ verkomme.

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