Bayern: Schwuler Bürgermeister soll in den Bundestag

SPD nominiert Michael Adam für ein Direktmandat

Michael Adam
Michael Adam/SPD

Michael Adam gilt als Hoffnungsträger der bayerischen SPD: Letztes Jahr hat er es mit gerade 23 Jahren geschafft, in seinem Heimatort Bodenmais den CSU-Bürgermeister aus dem Amt zu fegen. Dass er offen schwul lebt, hat in der kleinen Gemeinde niemand gestört.

Jetzt will die SPD weiter von den Erfolgen Adams profitieren: Wie die „Nürnberger Nachrichten“ berichten, wurde der jüngste Bürgermeister Deutschlands als Direktkandidat für die Bundestagswahl im Herbst nominiert. Chancen rechnet sich der heute 24-Jährige aber nicht aus: „Ein Direktmandat zu holen, ist ein Ding der Unmöglichkeit“, schätzt er seine Chancen realistisch ein. Er hofft, dass er bei einer der nächsten Wahlen auf der SPD-Liste weiter nach vorne rückt und dann mit einem sicheren Listenplatz sein Büro in Bodenmais gegen einen Platz im Bundestagsplenum eintauschen kann. „Ich kann ja nicht Bürgermeister bleiben, bis ich in Rente gehe“, meint Adam.

Michael Adam zeigt, dass er politisch anpacken kann

Politisch zeigt Adam, dass er anpacken kann: Im Gegensatz zum gesamten Bayerischen Wald, in dem der Tourismus 2008 stagnierte, verzeichnet Bodenmais zwölf Prozent mehr Übernachtungen. Auch den 16,8 Millionen Euro großen Schuldentopf hat Adam bereits verkleinert: „Im letzten Jahr haben wir 1,1 Millionen Euro getilgt, das ging also doch relativ zackig im Vergleich zu anderen Kommunen“, ist er auf seine Leistungen stolz.

Nur ein Ziel hat Adam in seinem ersten Amtsjahr nicht erreicht: Sein Politik-Studium an der Regensburger Universität liegt auf Eis, obwohl er es eigentlich parallel weitermachen wollte. „Das ist etwas, was ich maßlos unterschätzt hatte – Bürgermeister ist ein knochenharter Full-Time-Job“.