Kirchenpreis für Lesbe erzürnt Konservative

Die Vergabe eines Preises an eine offen lesbische Mitarbeiterin der evangelischen Kirche sorgt bei konservativ-evangelikalen Gruppierungen für Ärger. Denn diese wurden bei einer liberalen Kirchenveranstaltung offen kritisiert.

So bekam die 66-jährige lesbische Sozialpädagogin Herta Leistner von der liberalen Vereinigung „Offene Kirche“ den mit 5.000 Euro dotierten Amos-Preis für Zivilcourage in Religion, Kirche und Gesellschaft. Die Begründung: Leistner war eine der ersten offen homosexuellen Mitarbeiter der evangelischen Kirche, so habe sie „Tausenden von anderen Menschen geholfen, ihr Doppelleben in der Kirche zu überdenken und zu verändern“, wie es in der Begründung heißt.

In seiner Rede sprach der Ehrenvorsitzende der Offenen Kirche, Fritz Röhm, die derzeitigen Konflikte zwischen liberalen und konservativ-evangelikalen Kräften offen an. Er betonte, dass Lesben und Schwule in der Kirche noch immer wenig Toleranz finden – anders als in der restlichen Gesellschaft. Außerdem warf Röhm den Evangelikalen unaufgeklärte Positionen, ein liebloses Bibelverständnis und Angst-besetzte Kirchenpolitik vor.

Unterstützung bekam Röhm auch von der römisch-katholischen Kirche. Der katholische Ethiker Dietmar Mieth betonte, Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Lesben und Schwulen in den Kirchen beruhten auf Gewohnheiten, die nicht genügend von Wahrheiten unterschieden würden, obwohl wissenschaftliche Erkenntnisse zeigten, „dass wir bei Liebe und Begehren nicht mehr mit gottgewollten Eindeutigkeiten rechnen können. Dies wird offensichtlich nur noch von Evangelikalen und von katholischen Fundamentalisten bestritten.“ Er meinte weiter, es gebe unter den konservativen Kräften einen „naiven Biblizismus, der oft mit Aggressivität verbunden ist“.

Leistner war von 1994 bis 2003 Studienleiterin am EKD-Frauen-Studien- und Bildungszentrum in Gelnhausen. Zuvor war sie Studienleiterin an der Evangelischen Akademie Bad Boll, wo sie auch Lesbentagungen abhielt. Gegen ihre Berufung nach Gelnhausen sammelten evangelikale Gruppen deshalb damals 12.000 Unterschriften.