Türkei: Transgender-Aktivistin ermordet

In der Türkei ist am Dienstag die prominente Transgender-Aktivistin Ebru Soykan ermordet worden. Das meldet die Menschenrechts-Organisation Human Rights Watch (HRW).

Mitglieder der türkischen Homosexuellen-Organisation Lambda Istanbul haben HRW erzählt, dass Ebru im letzten Monat bei der Staatsanwaltschaft um Schutz vor einem Mann gebeten hat, der sie mehrere Male geschlagen und mit dem Umbringen bedroht hat. Der Mann wurde zwar von der Polizei einvernommen, aber zwei Stunden später wieder freigelassen. Jetzt ist er wegen Mordverdachts unter Polizeigewahrsam.

Julia Cano Nieto, die bei HRW für das lesbischwule und Transgender-Programm verantwortlich ist, ist erschüttert: „Die türkische Polizei hat die Pflicht, auf alle glaubhaften Gewaltdrohungen zu reagieren – wer auch immer das Opfer ist.“

Mitglieder von Lambda Istanbul beschreiben Ebru als eine der führenden Figuren der Organisation. Sie kämpfte für die Rechte von Transgender, wie zum Beispiel ein Ende der Schikanen durch die Polizei oder Krankenversorgung in Taksim, einem Stadtteil von Istanbul. Türkische Lesbischwule und Transgender-Organisationen haben gestern eine Totenwache vor Ebrus Haus gehalten.

Nach dem Tod von Ahmed Yildiz, der im Juli 2008 wegen seiner Homosexualität einem Ehrenmord seiner Familie zum Opfer gefallen sein dürfte, ist dies schon die zweite Ermordung eines Mitglieds von Lambda Istanbul innerhalb eines Jahres.