Schwulenbewegung in Wien: Neues Buch

Ein aktuelles Buch beleuchtet die Homosexuellenbewegung in Wien nach 1945. Unter dem Titel „Homosexualität und Gesellschaft“ gewährt Philipp Wagner einerseits einen Überblick über die schwule und lesbische Organisationen, die es nach dem 2. Weltkrieg in Wien gab, andererseits widmet er sich deren Wirken auf die Gesellschaft.

Dabei vergisst Wagner nicht auf die Grundlagen: Er beginnt im Jahr 1869, als Karl Maria Kertbeny in Wien zum ersten Mal den Begriff „Homosexualität“ verwendet. In seinen Schriften fordert er Straffreiheit für gleichgeschlechtliche Handlungen. Damals ein Meilenstein, wurden Homosexuelle doch zuvor als „Sodomiten“ verunglimpft.

Erst 1971 fiel unter der Regierung Kreisky das Totalverbot für homosexuelle Betätigungen, zahlreiche Einschränkungen jedoch blieben. In der Aufbruchstimmung der 70er Jahre wurden erste Gruppen gegründet, unter anderem 1975 die Gruppe „Coming Out“. Als erste tatsächliche Interessensgemeinschaft trat 1980 die HOSI Wien auf den Plan. Und ab 1983 gab es die ersten Förderungen der Stadt Wien.

Im zweiten Teil seines Buches beschäftigt sich Wagner mit Themen, die im kollektiven Bewusstsein mit Homosexualität verbunden werden: „Homo-Ehe“, Abschaffung des Paragrafen 209 und die Regenbogenparade.

Außerdem beschäftigt sich Wagner mit dem Zugang der römisch-katholischen Kirche zum Thema Homosexualität – inklusive dem heiklen Fall Groer.

Und auch Aids ist ein Thema des Buches: Lange Zeit als Argument gegen Homosexuelle institutionalisiert, galt Aids als Krankheit, die ausschließlich Drogensüchtige und Homosexuelle betrifft – der Ausdruck „Schwulenpest“ tat sein übriges. Wagner streift dabei das ambivalente Verhältnis zwischen Aids-Hilfe und Homosexuellenbewegung: einerseits wollte man nicht über die Maßen miteinander in Verbindung gebracht werden, andererseits fühlte sich die Bewegung in der Aids-Hilfe unterrepräsentiert.

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