Irak: Rätselraten um Hinrichtungen

Unklarheit gibt es rund um die Hinrichtung schwuler Männer im Irak. Letzte Woche hat die in London beheimatete Lesben- und Schwulengruppe „Iraqi LGBT“ mitgeteilt, dass fünf schwule Männer wegen ihrer sexuellen Orientierung hingerichtet werden sollen. Sie gehören zu einer Gruppe von 128 Häftlingen, die in den nächsten Tagen mit dem Tod bestraft werden sollen.

Gerüchten zufolge sollen alle 128 Häftlinge schwul sein. Ali Hili von „Iraqi LGBT“ bestreitet das: „Das ist ein Fehler, der sich durch Blogger verbreitet haben dürfte. Wir haben nie gesagt, dass alle schwul sind. Wir probieren noch immer, mehr Informationen zu bekommen, was aber sehr schwer ist. Das Thema ist sehr sensibel. Zwei Polizisten haben unsere Informationen bestätigt. Wir wissen von fünf Männern, die wegen ihrer Homosexualität hingerichtet werden sollen, auch wenn wir gehört haben, dass es zwanzig betreffen soll.“

Hili legte auch einen Brief vor, der seinen Angaben zufolge von einem Mitglied geschrieben wurde, das knapp vor der Hinrichtung steht und die Gruppe um Hilfe bat. Die Echtheit des Briefes, der vom Arabischen ins Englische übersetzt wude, konnte nicht überpüft werden, da Name und Adresse entfernt wurden.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch (HRW) ist es bis jetzt auch noch nicht gelungen, Licht in die Angelegenheit zu bringen. Sie können nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob die Hinrichtungen schon durchgeführt wurden oder nicht. Boris Dittrich von HRW sagte dem britischen Infoportal PinkNews: „Wir sprechen mit Zeugen und sind daran, Leute im Irak anzurufen. Wir sind auch in Kontakt mir Botschaften im Irak.“

John Fleming, Sprecher des US-Außenministeriums, zweifelt gegenüber „Boston Edge“ daran, dass im Irak schwule Männer wegen ihrer sexuellen Orientierung hingerichtet werden: „Homosexualität ist im Irak kein Verbrechen. Die Leute wurden wegen Gewaltverbrechen zum Tod verurteilt, wie Mord, Terrorismus oder Entführungen. Niemand wurde verurteilt, weil er das ‚Verbrechen‘ begangen hat, homosexuell zu sein“, sagt Fleming. „Für die Irakis ist das unwichtig. Die haben andere Sorgen, wie zu überleben – Essen und Wasser zu bekommen. Es wäre ein Luxus für den durchschnittlichen Iraker, sich über Homosexualität Sorgen zu machen“, ergänzt der Sprecher.

Religiöse Gruppen machen sich aber dennoch Gedanken: So wurden in den letzten Tagen sechs Schwule in Sadr Ciy, einem Vorort von Bagdad, erschossen. Ein Schwulentreffpunkt wurde dort in Brand gesteckt.