„Homo-Heiler“-Offensive: Wollen vor Selbstmord und Aids retten

Der „Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“, der Ende Mai im deutschen Marburg stattfinden wird, sorgt weiter für Aufregung. In den letzten Wochen waren konservative Kirchenkreise, die den Kongress unterstützen, in der Defensive. Jetzt schlagen sie mit einer Erklärung zurück.

Unter dem Titel „Für Freiheit und Selbstbestimmung – gegen totalitäre Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände“ wurde die Erklärung gestern veröffentlicht. Unter den ersten Unterzeichnern auch Menschen, die bis jetzt nicht für ihre tolerante Haltung gegenüber Homosexuellen aufgefallen sind, zum Beispiel der Salzburger Weihbischof Andreas Laun. Er hatte unter anderem Homosexualität als „nutzlos“ bezeichnet und sprach sich dafür aus, dass Lesben und Schwule ein Recht darauf hätten, von ihrer Homosexualität geheilt zu werden.

Wenig überraschend fordern die Unterzeichner deshalb, dass Menschen, „die unter ihrer homosexuellen Orientierung leiden und therapeutische Hilfe suchen“ diese auch bekommen würden. Allerdings nicht so „ergebnisoffen“, wie sie es gerne behaupten: „International ausgewiesene Wissenschaftler und klinische Therapeuten bezeugten mit ihrer Arbeit, dass Veränderung einer homosexuellen Neigung möglich ist“, heißt es. Welche das wären, bleibt die Erklärung aber schuldig.

Und für die erzkonservativen Christen ist eine Veränderung der „Neigung“ auch notwendig: „Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge birgt praktizierte Homosexualität ein erhebliches gesundheitliches und psychisches Risiko. Dazu zählt eine überdurchschnittliche Anfälligkeit für Aids, Geschlechtskrankheiten, Depressionen, Ängste, Suchtmittelmissbrauch und Suizidgefährdung“, heißt es in der Erklärung weiter. Auch hierfür gibt es seitens der Konservativen keine wissenschaftlich fundierten Belege.

Dass Depressionen, Ängste und Selbstmorde nicht durch die „praktizierte Homosexualität“, sondern die Haltung der Gesellschaft zu Lesben und Schwulen verursacht werden könnten, wird von den Autoren ausgeblendet – dafür werden Proteste gegen diese Ideologie pauschal als „mediales Mobbing und Verleumdung“ der Lesben- und Schwulenverbände bezeichnet.