Moskau: Lesbisches Paar will heiraten

In Moskau kämpft ein lesbisches Paar um ihr Recht, heiraten zu dürfen: Die 31-jährige Irina Fyet und ihre gleichaltrige Partnerin werden nächste Woche am Standesamt der russischen Hauptstadt einen entsprechenden Antrag stellen.

Da die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern in Russland nicht erlaubt ist, wird dieses den Antrag vermutlich ablehnen. Für diesen Fall wollen Fyet und ihre Freundin ein Hintertürchen im russischen Recht nutzen: In den nächsten Monaten planen sie ihre Hochzeit im kanadischen Toronto. Dort ist die Staatszugehörigkeit kein Kriterium für eine Eheschließung. Und weil auch in Russland ein Schlupfloch im Eherecht, das die Heirat von Homosexuellen verbietet, besteht, wäre die in Kanada geschlossene Ehe gültig.

„Irina und ihre Partnerin wollen so leben wie alle anderen auch“, sagt der russische Homo-Rechtler Nikolai Alekseyev. Auf seiner Webseite „Gayrussia“ zitiert er die Aussage von Fyet: „Unsere Liebe ist nicht anders (als die der anderen).“ Die Frauen wären Pionierinnen, erklärt er: Noch nie zuvor trauten sich Homosexuelle in Russland, für die Ehe anzusuchen.

Denn auch, wenn es in der russischen Hauptstadt eine bunte lesbischwule Partyszene im Untergrund der Stadt gibt, endet der Kampf um mehr Rechte und Akzeptanz meist blutig. So wurden Lesben und Schwule im Jahr 2006 bei der ersten Homosexuellenparade in Moskau von der Polizei, Neo-Nazis und Faschisten attackiert. Die Demo wurde gewaltsam aufgelöst. Auch die Orthodoxe Kirche macht Stimmung gegen Homosexualität, der Patriarch bezeichnete Homosexuellen-Demos als „Propaganda“.

Die für nächste Woche angesetzte „Slavic Pride“, bei der russische und ukrainische Homosexuelle gemeinsam feiern wollen, findet absichtlich an dem Tag statt, an dem Moskau der Austragungsort des Eurovision Song Contests ist. Die Polizei hat bereits ein hartes Durchgreifen gegen Demonstranten angekündigt.