„Slavic Pride“ in Moskau nach fünf Minuten aufgelöst

Der „Slavic Pride“, die angekündigte, aber verbotene Demonstration von Lesben und Schwulen in Moskau, wurde nach nur fünf Minuten von der Moskauer Polizei aufgelöst. Die Hoffnung der Aktivisten, die russischen Behörden würden während des gleichzeitig stattfindenden Song Contests auf schlechte Presse verzichten, bewahrheitete sich nicht.

Wie der britische Lesben- und Schwulenrechtsaktivist Peter Tatchell auf seinem Twitter-Account berichtet, wurden innerhalb von fünf Minuten vor den Augen der internationalen Medien zwanzig Aktivisten festgenommen, darunter auch der Organisator des „Slavic Pride“, Nikolai Alexejew, und Tatchell. Die Demonstranten entrollten zuvor Plakate, auf denen die Einhaltung der Menschenrechte für Schwule und Lesben gefordert wurde. Auch die Anwesenheit von Repräsentanten der französischen, deutschen, finnischen, niederländischen, amerikanischen und britischen Botschaft ließ die Polizei nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Die letzte Twitter-Statusmeldung, die Tatchell schreiben konnte, bevor er in Polizeigewahrsam genommen wurde, lautete „Arrested. Shortest march I’ve ever been on.“ – also „Verhaftet. Der kürzeste Marsch, auf dem ich jemals war“. Wie es den Aktivisten jetzt geht und ob sie verletzt wurden, ist derzeit nicht bekannt.

Am Tag zuvor wurde Tatchell für sein Engagement mit dem „International Award of the Slavic Pride“ ausgezeichnet.

Die gewaltsame Auflösung der Demonstration war von allen Beteiligten erwartet worden. Erst am Freitag erklärte der für die öffentliche Sicherheit zuständige Abteilungsleiter im russischen Innenministerium, Leonid Wedenow, gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax, die russische Polizei werde bei allen nicht genehmigten Demonstrationen „strikt das Gesetz einhalten“.

Bereits in der Vergangenheit war die Polizei meist hart gegen nicht genehmigte Homosexuellen-Demonstrationen vorgegangen. Vor drei Jahren waren ausländische Unterstützer wie HOSI-Wien-Generalsekretär Kurt Krickler, der britische Aktivist Peter Tatchell oder der deutsche Grüne Volker Beck bei einer solchen Kundgebung von Neonazis attackiert und verletzt worden. Beck warf der Polizei danach vor, die Demonstranten absichtlich nicht vor den Schlägerbanden geschützt zu haben.

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