Life Ball: „Zeit“ vermisst 670.000 Euro

Am Samstag standen Kostüme, Promis und der Gute Zweck im Vordergrund, als der 17. Life Ball im Wiener Rathaus über die Bühne ging. Heute ist der Umgang der Veranstalter mit den Spenden ins Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Nach Recherchen der renommierten deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ soll über den Verbleib von 670.000 Euro Unklarheit herrschen. Der Life Ball weist alle Anschuldigungen zurück und hat den Fall ihren Anwälten übergeben.

Wie die „Wiener Zeitung“ berichtet, wirft die „Zeit“ dem Life Ball unter anderem „undurchsichtige und steuerrechtlich bedenkliche Vereinsstrukturen, fehlende Kontrollmechanismen und Geheimniskrämerei um den Verbleib von Spendengeldern“ vor: „Der Life Ball verzeichnete seit seinem Bestehen einen Reingewinn von knapp 11,8 Millionen Euro, wovon insgesamt 10,5 Millionen in nationale und internationale Aids-Projekte flossen und fast 630.000 Euro in der Kriegskassa gebunkert sind. Wo sich der Differenzbetrag, immerhin 670.000 Euro, befindet, darüber weiß wahrscheinlich nur Gery Keszler selbst Bescheid, da er als Einziger von Anfang an durchgehend im Vereinsvorstand vertreten ist“, heißt es in dem Bericht der „Zeit“.

Außerdem stört die „Zeit“, dass nicht die vollständigen Kosten des Balls veröffentlicht werden, sondern nur dessen Reinerlös. Auch ist für die deutsche Wochenzeitung nicht ganz nachvollziehbar, wer wie viele Spenden bekommt: „Die Ein-Mann-Hilfsorganisation Positiv Leben, die der Ex-ORF-Moderator Günter Tolar, der auch als inoffizieller Emissär der SPÖ in der Schwulenszene fungiert, gegründet hat, wurde etwa bisher mit rund 900.000 Euro gefördert – was immerhin fast 60 Prozent der Unterstützung für die Wiener Aidshilfe entspricht. Allerdings ist der Verein des umtriebigen Homo-Aktivisten laut Zentralregister seit 1994 nicht mehr geschäftsfähig. Ein Lapsus, der für Busenfreund Keszler kein Problem darstellt.“ Eine derartige Spendenvergabe hätte laut „Zeit“ auch steuerrechtliche Konsequenzen, da Zahlungen an nichtgeschäftsfähige gemeinnützige Vereine wie normales Einkommen zu versteuern wären.

Der Life Ball weist alle Vorwürfe der „Zeit“ zurück. „Der Life Ball hat diese Causa daher seinen Anwälten übergeben, um entsprechende rechtliche Schritte einzuleiten“, sagt Life-Ball-Sprecher Oliver-John Perry gegenüber der „Wiener Zeitung“. Man sei zudem „sehr betroffen über die persönlichen Angriffe auf Gery Keszler, die jeder Grundlage entbehren“. Perry betont, dass die ordnungsgemäße Verwendung der Spendengelder von den Vereinsorganen, unabhängigen Wirtschaftsprüfern und dem Steuerberater des Life Ball überprüft wird.

Dass der Life Ball das Spenden-Gütesiegel noch nicht hat, liege laut Perry daran, dass es „bis dato einfach nicht notwendig war“. Das will der Life Ball jetzt ändern: „Um eventuellen zukünftigen Vorwürfen entgegenzuwirken, haben wir uns dazu entschlossen, das Spendengütesiegel zu erwerben“, sagt Perry der „Wiener Zeitung“. Wo die von der „Zeit“ vermissten 670.000 Euro geblieben sind, wurde der „Wiener Zeitung“ allerdings nicht beantwortet.

Im Rahmen der heute geplanten Pressekonferenz, bei der auch der Reinerlös des heurigen Life Ball präsentiert wird, soll es aber eine umfassende Erklärung geben.

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