„Schwule schuld am Kindesmißbrauch in der Kirche“

Für Empörung in Großbritannien sorgen die Aussagen Pater John Owen, dem Pressesprecher des Erzbischofs von Cardiff. Er erklärte in der BBC-Sendung „The Big Questions“, dass Schwule hauptverantwortlich für den Massenmissbrauch von Kindern in der römisch-katholischen Kirche seien.

In der Live-Sendung wurden die Missbrauchsfälle der Kirche in den letzten Jahrzehnten diskutiert. Owen vertrat dabei die Meinung, dass die „meisten Straftaten von Homosexuellen begangen worden“ seien. Schließlich würde die Mehrzahl der sexuellen Übergriffe von römisch-katholischen Geistlichen auf Buben verübt. „Was sagt Ihnen das? Das ist nun mal eine Tatsache“, so Owen.

Moderator James O’Brien wollte diese Aussage nicht akzeptieren: „Die Mönche, die wegen Missbrauchs angeklagt wurden, waren Pädophile und keine Homosexuellen. Ich finde es abartig, wie sie versuchen, diese Verbrechen zu verteidigen“, kritisiert er den Pater.

Kurz nach der Sendung veröffentlichte die Erzdiözese Cardiff in einer Pressemitteilung, dass die Aussagen Owens nicht abgestimmt gewesen waren.

Trotzdem sind Betroffene über die Argumentation des Priesters entsetzt. Colm O’Gorman, Chef der irischen Sektion von Amnesty International, wurde als Jugendlicher selbst von einem katholischen Priester missbraucht. Er ist entsetzt, wie die römisch-katholische Kirche von ihren eigenen Verbrechen ablenken will: „Die Kirche versucht, schwulen Sex und Priester, die Kinder vergewaltigen, als gleichwertig hinzustellen. Sie braucht einen Sündenbock und versucht deshalb, die Diskussion auf ein anderes Thema zu lenken. Damit verharmlost sie die kriminelle Gewalt, die mit einer Vergewaltigung einhergeht, und behauptet, das sei nichts anderes als einvernehmlicher Sex zwischen Erwachsenen.“