Deutschland: Diskussion über Homo-Adoption

Deutschland diskutiert wieder, ob schwule und lesbische Paare das Recht bekommen sollen, Kinder zu adoptieren. Angestoßen hat die Debatte die neue Chefin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Karin Göring-Eckardt. Sie ist gleichzeitig auch für die Grünen Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.

Göring-Eckhardt erklärte in der Wochenendausgabe der „tageszeitung“ (taz), dass ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare den Kindern rechtlich nütze. Denn diese bräuchten „auch die Rechtssicherheit im Unterhalts- und Erbrecht, die ihnen bisher verwehrt ist“. Derzeit ist in Deutschland nur die Stiefkindadoption erlaubt, bei der jemand das leibliche Kind seines Eingetrangenen Lebenspartners adoptieren kann. In anderen Ländern Westeuropas sind schwule und lesbische Paare im Adoptionsrecht mittlerweile gleichgestellt.

Die konservativen Parteien lehnten Göring-Eckhardts Vorschlag ab. Für Volker Kauder, Klubobmann von CDU und CSU im Bundestag, ist eine Gleichberechtigung im Adoptionsrecht mit dem christlichen Menschenbild seiner Partei nicht vereinbar. Er warf Homosexuellen Eigennutz vor: „Es geht bei diesem Vorschlag allein um die Selbstverwirklichung von Lesben und Schwulen und nicht um das Wohl der Kinder“, so Kauder. „Volles Adoptionsrecht für Schwule und Lesben widerspricht den Interessen von Kindern. Das bestätigen Kinderpsychologen und Kindertherapeuten, die vor einer solchen Entwicklung warnen“, warnt Kauder, ohne seine wissenschaftlichen Quellen nennen zu können.

Die anderen Parteien in Deutschland teilen Kauders Meinung aber nicht. „Kinder aus Regenbogenfamilien brauchen den gleichen Respekt und die gleiche Sicherheit wie alle anderen Kinder auch“, erklärte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, bayerische Landesvorsitzende der liberalen FDP. „Spanien, Großbritannien und Schweden machten es vor“, so die 57-Jährige. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries von der SPD hat sich bereits seit 2006 für das Adoptionsrecht für Homo-Paare ausgesprochen. Ihr Ministerium überprüft, ob es dafür auch einen gesellschaftlichen Konsens gibt.

Die evangelische Kirche in Deutschland selbst hat keine einheitliche Position, wenn es um Rechte von Homosexuellen geht. Manche der unabhängigen Landeskirchen segnen gleichgeschlechtliche Paare und stellen schwule und lesbische Angestellte gleich. So behandelt etwa die rheinische Kirche seit Anfang des Jahres Angestellte in Eingetragenen Partnerschaften in ihrem Besoldungs- und Versorgungsrecht gleich. Konservative Gruppen innerhalb der evangelischen Kirche lehnen allerdings Homosexualität als Sünde kategorisch ab, genau wie in der römisch-katholischen Kirche.