Türkei: Schwuler Schiedsrichter wehrt sich

Ein türkischer Fußball-Schiedrichter klagt den türkischen Fußball-Verband jetzt vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof, weil er wegen seiner Homosexualität gesperrt wurde.

„Ich habe kein Gesetz gebrochen, ich habe keine Schande über meinen Beruf gebracht. Ich bin bloß ein Homosexueller“, erklärt Halil İbrahim Dinçdağ. Offiziell war der 33-Jährige suspendiert worden, weil er nicht beim Militär war – Schwule sind in der Türkei automatisch untauglich. Und nach den Satzungen des Verbands sind Untaugliche nicht für den Posten als Schiedsrichter geeignet. Egal, warum sie ausgemustert wurden.

Dass sich Dinçdağ gegen das Berufsverbot öffentlich gewehrt und so auch geoutet hat, ist für türkische Verhältnisse extrem ungewöhnlich. „Mein Leben ist seitdem die Hölle“, erklät Dinçdağ. So hat er nach den Schlagzeilen auch seinen Beruf als Radiomoderator verloren. Seine Familie unterstütze ihn aber, betont er: Vor allem sein Bruder, ein Imam, stehe hinter ihm.

In der Türkei ist Homosexualität zwar legal, aber in der konservativen Gesellschaft ein Tabuthema.