Ex-Stricher für 29 Jahre alten Mord vor Gericht

Vor dem Landgericht Heidelberg steht zur Zeit ein 55 Jahre alter Maurer vor Gericht. Er soll als Stricher vor 29 Jahren einen Freier umgebracht haben. Auf die Spur kam die Polizei dem Mann, weil er keine Fahrkarte dabei hatte.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord und Raub mit Todesfolge vor. Laut Anklage lernte er das 60-jährige Opfer Anfang Juni 1980 am Mannheimer Bahnhof kennen. Weil dieses gut gekleidet war und sich spendabel zeigte, vermutete er in ihm einen wohlhabenden Mann. Aus diesem Grund, so die Anklage, begleitete ihn der damals Obdachlose in dessen Wohnung.

Dort sollen die beiden Sex gehabt haben. Anschließend soll der Angeklagte von hinten auf den ahnungslosen Mann eingeschlagen haben, nachdem dieser das Bett verlassen hatte. Um sicher zu gehen, dass sein Opfer tot ist, soll er es anschließend gewürgt haben. Dann habe der Maurer die Wohnung durchsucht und mindestes 900 Mark (ca. 460 Euro) geraubt, so der Vorwurf.

Zwei Tage später überfiel der Mann Gäste eines Mannheimer Hotels und nahm sie als Geiseln. Am 18. Juni 1980 wurde er deshalb verhaftet. Erst einen Tag später wurde die Leiche des 60-Jährigen gefunden. Deshalb stellte die Polizei damals keinen Zusammenhang her.

Wegen des Überfalls wurde der Maurer zunächst zu vier Jahren Haft verurteilt. Nachdem er diese Strafe verbüßt hatte, blieb er für Polizei und Justiz zunächst unauffällig – bis er 2008 beim Schwarzfahren erwischt wurde. Routinemäßig wurden Fingerabdrücke genommen und mit ungeklärten Verbrechen verglichen. Dabei kam die Polizei auf die Spur des Mannes.

Nun muss das Schwurgericht klären, ob dem 55-Jährigen der Mord nachzuweisen ist. Der Angeklagte hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Das Urteil ist für den 7. Juli geplant.