Attacke auf Homosexuelle empört Slowenien

Ein brutaler Angriff auf Homosexuelle hat sich am Donnerstag in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana ereignet: Sieben bis acht maskierte Männer stürmten gegen 21.00 Uhr ein Lokal im Stadtzentrum, in dem ein Vortragsabend schwul-lesbischer Literatur stattfand, mit brennenden Fackeln, Baseball-Schlägern und Stöcken. Außerdem bewarfen sie das Lokal mit Steinen.

Dabei wurde ein bekannter slowenischer Gay-Aktivist, der Radiojournalist Mitja Blazic, krankenhausreif geprügelt. Er rauchte während des Angriffs vor dem Lokal eine Zigarette. Die Angreifer traten ihm in den Kopf und griffen ihn auch mit der Fackel an. Das Opfer wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Nach Angaben der Tageszeitung „Zurnal“ musste sein Kopf mit drei Stichen genäht werden, außerdem erlitt er Verbrennungen am Hals. Spät am Abend konnte er aus dem Krankenhaus bereits entlassen werden. „Körperlich geht es mir gut. Psychisch – sie können sich denken – im Jahr 2009, in dieser Gesellschaft, in diesem Raum, der sicher und offen sein sollte, nicht unbedingt“, sagte er gegenüber slowenischen Journalisten.

Er bezeichnete bei einer Pressekonferenz den Vorfall als einen „überlegten, geplanten und organisierten Angriff“. „Das war vor allem ein Angriff auf die schwul-lesbische Gemeinschaft“, betonte Blazic. Das bestätigt auch die Schriftstellerin Urska Sterle, eine Augenzeugin des Angriffes: Die Angreifer hätten Parolen wie „Tod den Schwulen“ und „Verdammte Schwule“ geschrien, so Sterle. In jüngster Zeit häuften sich organisierte Angriffe auf Homosexuelle, die nationalistischen Gruppierungen zugeschrieben werden: So gab es im Vorjahr rund um die Parade fünf gewalttätige Vorfälle.

Innenministerin Katarina Kresal ist empört und will hart durchgreifen: Ein Angriff mit Kapuzen am Kopf und Stöcken in den Händen ist eine feige Tat. Wenn diese dazu noch mit dem Hass auf die Andersartigen motiviert wird, dann ist es auch ein Angriff auf das Rechtsstaat und die Menschenwürde“, so die Politikerin. Sie kündigte an, alles zu tun, „damit der Rechtsstaat jede verletzbare Gruppe schützen wird“. Die Polizei habe ihr bereits zugesichert, dass der Vorfall schnell und wirkungsvoll behandelt werde, sagte sie. Polizeichef Stanislav Vrecar betonte, es gebe am Tatort „ziemlich gute Spuren“. Augenzeugen lobten in diesem Zusammenhang das schnelle und korrekte Verhalten der slowenischen Polizei nach dem Angriff.

Auch der Bürgermeister von Ljubljana, Zoran Jankovic, ist über den Angriff „empört“: „Die Nachricht der Stadt Ljubljana ist: Zusammen leben, die Unterschiedlichkeit respektieren“. Der Angriff wurde auch von den Parlamentsparteien und dem slowenischen Büro von Amnesty International verurteilt.

Die heurige Pride Parade in Ljubljana, die am Samstag stattgefunden hat, konnte ohne Störungen durchgeführt werden. Prinzipiell gilt Slowenien als tolerant gegenüber Lesben und Schwulen. Schon seit 2006 können gleichgeschlechtliche Paare ihre PartnerInnenschaften auch amtlich eintragen lassen. Blazic war übrigens der erste Schwule in Slowenien, der seine Partnerschaft eintragen ließ.