Ralf König: „CSD zu kommerziell“

Einer der bekanntesten Schwulen Deutschlands kritisiert die derzeitigen Lesben- und Schwulenparaden. In einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ fordert der Comic-Zeichner Ralf König deutlichere politische Botschaften.

„Bei den Paraden gibt es geradezu abstoßende kommerzielle Entwicklungen“, meint König. So habe er zum Beispiel letztes Jahr spontan mit Freunden beim CSD Köln mitmarschieren wollen – und konnte nicht, weil Bodyguards Königs Freunde und ihn abgedrängt haben – zugunsten eines Wagens mit zwei Models, die für einen Energy-Drink Werbung machten.

Dementsprechend wundert es ihn nicht, wenn es zu den offiziellen Paraden Gegenveranstaltungen gibt – vierzig Jahre nach den Stonewall-Unruhen, die als Beginn der modernen Lesben- und Schwulenbewegung gelten und denen mit dem CSD eigentlich gedacht werden sollte. „Das Bedürfnis nach ernsteren politischen Tönen ist da“, ist sich König sicher: „Ich finde, eine Message sollte schon dabei sein beim CSD. ‚Seht her, wie toll ich aussehe‘, das reicht nicht. Der CSD ist nach meinem Verständnis immer noch eine Demo, keine Love Parade.“

Dem entsprechend stört den Schöpfer der Knollennasen auch, dass die Medien einseitig berichten. Sie konzentrieren sich seiner Meinung nach zu viel auf „Paradiesvögel und Exoten“. Wobei er gegen die bunten und schrillen Kostüme prinzipiell nichts habe – schließlich sei er selbst oft genug mit Pumps und Fummel unterwegs gewesen, betont Ralf König gegenüber der „Frankfurter Rundschau“.