Piusbruderschaft angezeigt: Vergleicht CSD mit Nazis

Die rechtskonservative katholische Pius-Bruderschaft hat Homosexualität mit der Nazi-Diktatur verglichen – und den Widerstand gegen die CSD-Paraden mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Der CSD Stuttgart hat deshalb Anzeige erstattet.

Im Mitteilungsblatt der Piusbrüder heißt es wörtlich: „Wie stolz sind wir, wenn wir in einem Geschichtsbuch lesen, dass es im Dritten Reich mutige Katholiken gab, die sagten: ´Wir machen diesen Wahnsinn nicht mit!´. Ebenso muss es heute wieder mutige Katholiken geben!“, um dann gegen den CSD in Stuttgart zu hetzen, wo die Bruderschaft ihren deutschen Hauptsitz hat.

Weiter heißt es in dem Artikel: „Wehrt euch, solange es noch möglich ist. Stellt euch auf die Straßen und ruft: ‚Wir wollen nicht, dass unsere Heimat ein Sodom und Gomorrha wird!’“. Feindbild der radikalen Katholiken ist auch die deutsche Justizministerin Brigitte Zypries, weil sie den Schutz von Homosexuellen in der Verfassung verankern möchte. Die Piusbrüder sind streng gegen den Schutz der „geschlechtlichen Perversion“, wie sie es nennen. „Wenn das geschieht, dann wird es in Deutschland für Katholiken eng. Dann darf man die sodomitische Sünde nicht mehr anprangern, weil es verfassungsfeindlich ist“, so das Mitteilungsblatt.

Für die Veranstalter des Stuttgarter CSD hat die katholische Splittergruppe damit den Bogen überspannt: Christoph Michl, Gesamtleiter des CSD Stuttgart, ist in einer ersten Stellungnahme „geschockt über diese neue, unhaltbare Dimension der Hetze gegen Schwule und Lesben“. Dass die Piusbrüder in den letzten zwei Jahren Gegendemonstrationen abhielten, falle unter das Recht auf freie Meinungsäußerung, räumt Michl ein. „Zwar waren die dort verbreiteten Botschaften wie ‚AIDS = Geißel Gottes’ und ‚Homosexualität ist Sünde’ schon damals nicht hinnehmbar und offenbarten die Radikalität der Bruderschaft. Die nun erfolgte Veröffentlichung mit dem Aufruf zum Widerstand und insbesondere der Gleichsetzung von Homosexuellen Menschen mit den Nationalsozialisten des Dritten Reichs schlägt dem Fass allerdings den Boden aus. Eine Demokratie muss unterschiedliche Meinungen aushalten. Keine Frage. Was die Piusbrüder aber hier tun, ist eine ganz neue Form der Auseinandersetzung, die eindeutig den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt. Wir haben daher Strafanzeige bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen den Autor des Artikels und die Priesterbruderschaft gestellt.“, reicht dem CSD-Veranstalter die Agitation der Radikal-Katholiken.

Und auch Volker Beck, offen schwuler Bundestagsabgeodneter der Grünen, fordert, nach der „unchristlichen und menschenverachtenden Hetze“, eine Beobachtung der Organisation durch den Verfassungsschutz zu prüfen: „Diese Art Hetze gegen Minderheiten durch christliche Gruppen kann wie in Russland auch in Deutschland zu Gewalt führen. Die Sprache der Hetzer ähnelt sich auffallend“, so Beck. Und auch die römisch-katholische Amtskirche distanziert sich von den Pius-Brüdern. Für die Diözese Rottenburg-Stuttgart sei der Vergleich zwischen dem CSD und den Nationalsozialisten „vollkommen verfehlt“, so ein Bistumssprecher.

Die Piusbruderschaft wurde Anfang des Jahres von Papst Benedikt XVI. wieder in die Kirche aufgenommen, obwohl sie Gefängnisstrafen für Homosexuelle fordert und Teile der Organisation den Holocaust leugnen.