Utah: Handschellen für schwulen Wangenkuss

Weil sich ein schwules Paar im US-Bundesstaat Utah auf die Wange küsste, wurden sie von Sicherheitskräften gefesselt und die Polizei gerufen, die die beiden wegen Besitzstörung anzeigte.

Matt Aune und Derek Jones waren auf dem Weg von einem Konzert nach Hause, als sie händchenhaltend über die Main Street Plaza in Salt Lake City gingen. Diese breite Straße im Stadtzentrum ist im Eigentum der Mormonen, die dort Bürogebäude und ihren Tempel haben. Sie hat zwar das Wegerecht erlaubt, „ungebührliches Verhalten“ wie Rauchen oder das Tragen „unpassender Kleidung“ verboten.

Als Aune und Jones kurz stehenblieben, und einer den anderen auf die Wange küsste, kam sofort der Sicherheitsdienst der Mormonen. Die Mitarbeiter forderten die beiden auf, den Platz zu verlassen, da „öffentliche Zeichen von Zuneigung“ auf Kirchengrund verboten seien. Als das schwule Paar entgegnete, dass es schon oft Hetero-Paare händchenhaltend auf der Straße gesehen hatte und die Straße auch ein beliebter Hintergrund für Hochzeitsfotos sei, gingen den Securities offenbar die Argumente aus: Sie stoßen Jones nieder und fesselten ihn – genauso wie seinen Partner – mit Handschellen. Beide erlitten dabei leichte Verletzungen. Die Polizei, die gleich darauf kam, bestrafte nicht die Gewaltanwendung, sondern nahm eine Anzeige gegen das schwule Paar wegen Besitzstörung an.

In einer schriftlichen Stellungnahme rechtfertigten sich die Mormonen, Aune und Jones seien nicht des Platzes verwiesen worden, weil sie schwul sind. „Sie wurden aufgefordert, ihr ungehöriges Verhalten zu beenden wie auch jedes andere Paar aufgefordert worden wäre. Daraufhin hätten sie zu streiten begonnen, geflucht und sich geweigert, den Platz zu verlassen. Sie wurden verhaftet und wurden danach von der Polizei wegen Besitzstörung angezeigt“, so die Kirche.

Homosexualität ist bei den Mormonen ein heikles Thema: Obwohl liberale Strömungen eine Segnung homosexueller Paare wollen, steht die Kirche unter Verdacht, in Kalifornien die Kampagne für ein Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen in der Verfassung finanziell massiv unterstützt zu haben.

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