Kopenhagen: Keine küssende Männer in der U-Bahn

Kopenhagener U-Bahn-Fahrer müssen auf einen preisgekrönten Film mit sich küssenden Männern verzichten.

„XY Anatomy of a Boy“ von Mette Carla T. Albrechtsen hat den Publikumspreis des „60seconds“ Kurzfilmfestivals gewonnen. Der Film zeigt sechs junge Schwule, die a verschiedenen Orten ihre Geschichte erzählen – einer dieser Orte ist eine Dusche, in der sich zwei Männer küssen“. Eigentlich hätte der Film auf Flatscreens in den Stationen laufen sollen, aber die Kopenhagener U-Bahn-Betreiber haben den Film jetzt abgelehnt. Nicht, weil er homosexuelle Inhalte hat, betont U-Bahn-Sprecher Kåre Møller Madsen, sondern, weil er erotisch ist: „Der Film dürfte bei uns auch nicht gezeigt werden, wenn sich ein Mann und eine Frau in der Dusche küssen“.

Vielen Menschen reicht diese Begründung nicht: Eine Facebook-Gruppe, die fordert, den Film zu zeigen, hat bereits über 800 Mitglieder, und die U-Bahn-Betreiber haben bereits dutzende Beschwerdebriefe erhalten. Auch Peer Dahlin Røpke Aagaard hat sich beschwert. Der dänischen Zeitung „Politiken“ gegenüber regt ihn auf, dass Frauenbrüste sehr wohl bereits auf den U-Bahn-Screens zu sehen waren: „An dem Film ist nichts pornografisches. Das ist Zensur von Kunst und homophob.“

Und Albrechtsens Film mit der schwulen Duschszene ist nicht der einzige der 26-Festival-Filme, den die U-Bahn-Betreiber nicht auf den Screens zeigen. Auch der Gewinner des Festivals, „Untiteled“ von Torben Klærgaard, wurde aus den U-Bahn-Stationen verbannt. Er zeigt fünf Männer, die nackt tanzen.