Polnischer Europaparlamentarier poltert gegen Lesben und Schwule

Die nationalkonservative polnische Partei für Recht und Gerechtigkeit (PiS) sorgt im Europäischen Parlament (EP) für Aufregung. PiS-Funktionär Michał Kamiński, der einer neuen konservativen Fraktion im EP vorsteht, hat Homosexuelle in einem Interview wiederholt als „Schwuchteln“ bezeichnet. Kamiński wurde von einer Mehrheit der Abgeordneten als stellvertretender Parlamentspräsident angelehnt.

Zuvor hatte Kamiński abgestritten, wie viele seiner Parteikollegen schwulenfeindlich zu sein. Gegenüber der BBC gab er sich tolerant: „Ich bin gegen die sogenannte Homo-Ehe, aber ich habe einen großen Respekt für Menschen mit einem homosexuellen Lebensstil. Sie werden nichts finden, das ich in meiner Vergangenheit gegen Homosexuelle gesagt habe“, gibt sich der Pole staatsmännisch.

BBC Radio 4 hat daraufhin gesucht – und gefunden. In einem Fernsehinterview aus dem Jahr 2000 verwendete er ein polnisches Wort, das dem deutschen „Schwuchtel“ oder dem englischen „fag“ entspricht. Und es ist ihm nicht nur zufällig herausgerutscht. In dem Interview über Lesben- und Schwulenrechte sagte er: „Der Schwuchtel-Verein unterstützt das eindeutig“. Der Interviewer fragte nach: „Welchen Ausdruck haben sie verwendet?“ Und Kamiński bekräftigt: „Der Schwuchtel-Verein.“ Der Reporter fragte noch einmal nach: „Glauben sie nicht, dass das beleidigend ist?“, woraufhin der Politiker unbeirrt antwortet: „So reden die Leute. Was soll ich sagen? Das sind Schwuchteln.“

Bis jetzt hat Michał Kamiński noch keine Stellungnahme zu dem Interview abgegeben. Sein Kollege Konrad Szymański, der ebenfalls für die PiS im Europäischen Parlament sitzt, hatte bereits vor wenigen Wochen gesagt, seine Partei sei „gegen Homo-Ehen und die Adoption von Kindern durch Schwule und Lesben. So werden unsere Europaparlamentarier immer abstimmen“.

Der konservativen Fraktion der PiS gehören auch die britischen Tories an. Deren längstdienender Abgeordneter Edward McMillan-Scott hat sich offen gegen Kamiński ausgesprochen und wurde deshalb aus der Fraktion geworfen. Gegenüber dem britischen Online-Magazin PinkNews.co.uk sagte McMillan-Scott, die Meinung der PiS zu Lesben- und Schwulenrechten sei „Teil des Ganzen“, wegen dem er sich widersetzt hat.