HIV-Rate bei schwulen Männern in Afrika explodiert

In einigen afrikanischen Länder ist die HIV-Rate unter schwulen und bisexuellen Männern zehn Mal höher als unter heterosexuellen Männern. Das geht aus einer Studie der Universität Oxford hervor, die nun im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlicht wurde.

Der Studie zufolge führen die Vorurteile, die es in vielen afrikanischen Ländern gegenüber Homosexuellen gibt, zu Isolation und Belästigungen. Das wiederum begünstigt risikoreiches Sex-Verhalten in den dortigen Schwulenszenen. Viele dieser Männer stecken dann auch Frauen an, mit denen sie Sex haben.

Ein Weg aus diesem Dilemma könnte mehr Information sein. Die Studie hat auch herausgefunden, dass die starke Verbreitung von HIV und Aids unter schwulen Männern südlich der Sahara am „kulturellen, religiösen und politischen Unwillen liegt, schwule Männer als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft anzuerkennen“. Dadurch sei es extrem schwierig, schwule und bisexuelle Männer mit Präventionsmaßnahmen zu erreichen, erklärt Studienleiter Adrian Smith.

Gegenüber der BBC bestätigt George Kanuma, ein Schwulenrechts-Aktivist in Burundi, die Erkenntnisse der Wissenschafter. Er weiß, dass viele Männer „ihre sexuelle Orientierung verstecken“, heiraten und Kinder bekommen, aber weiterhin Sex mit Männern haben: „Die meisten von ihnen glauben, dass man sich mit HIV oder einer anderen Infektion anstecken kann, wenn man Sex mit einer Frau hat, aber nicht, wenn man mit einem anderen Mann schläft“, erklärt Kanuma. Auch deshalb fordert Smith dringend ein „Grundpaket für die HIV-Prävention“ in Afrika: „Man muss diejenigen, die mit HIV zu tun haben, auch sensibilisieren, schulen und trainieren“.