Pornojäger Humer sehnt sich nach Zeit, in der Homosexuelle ermordet wurden

Erneut hetzt die radikalkatholische Website „kreuz.net“ gegen Lesben und Schwule. Diesmal hilft ihnen dabei der selbsternannte Pornojäger und -sammler Martin Humer – und er ruft indirekt zum Mord an Homosexuellen auf.

Humer ist der Antrag der Deutschen Grünen im Bundestag, einen Aktionsplan gegen Homophobie zu erarbeiten, ein Dorn im Auge. Schon zuvor hat ein anonymer Autor diesen bei „kreuz.net“ („Homo-Perverse verkleiden sich wie Tiere“) scharf kritisiert: „Nach Angaben des Instituts übertrifft der Antrag der Homo-‘Grünen’ alles bisher Vorstellbare. Er verlangt den totalen Überwachungsstaat und eine brutale Homo-Diktatur“, heißt es in dem Artikel. Das zitierte Institut ist das „Civitas Institut“, dessen geistlicher Beirat der oberste deutsche Piusbruder Franz Schmidberger ist. Das Insitut ahnt durch den Antrag den „totalen Überwachungsstaat und eine brutale Homo-Diktatur“ und zieht folgende Schlussfolgerung zum Aktionsplan: „Hier sieht man, wohin die Reise geht, wenn man der Lobby für die Homoperversion entgegenkommt.“ Um noch den Nazi-Schrecken zu relativieren, steht der Artikel unter der Überschrift „Wann wird Dachau reaktiviert?“

Jetzt setzt der 84-jährige Humer in seinem Kommentar auf „kreuz.net“ noch eines drauf: Zunächst gibt Humer ganz harmlos sein Biologiewissen einer kleinen konservativen Öffentlichkeit preis: „Wenn ein ‚Grüner‘ einen grünen Vogel hat und grüne Vögel züchten möchte, braucht er dazu entweder ein grünes Männchen oder ein grünes Weibchen. Mit einem roten Männchen wird es nicht gehen. Auch das ‚Bündnis 90‘ kann daran nichts ändern. Alles andere wäre nicht ‚Phobie‘ sondern ‚Fopperei'“. Um dann seine Theorien zu Homosexualität kundzutun: „Die ’sexuelle Orientierung‘, von der heute so viel herumgeredet wird, erweist sich oft als eine Desorientierung – als ein psychischer Defekt“, ist sich der Pornojäger sicher, und meint: „Wenn heute allgemein Krankheiten und Anomalien mit mehr Wissen und Verstand behandelt werden können, so dürfen auch Kranke ihre vermeintlichen Rechte nicht mit brutaler Gewalt einfordern oder gar durchzusetzen versuchen.“

Wie mit Lesben und Schwulen am besten umzugehen ist, deutet Humer dann mit einer Bibelstelle, Leviticus 20,13, an: „In alten Zeiten, in Zeiten der Bibel, haben die alten Juden kranke Fälle radikal ‚behandelt‘ und Homosexuelle gleich umgebracht“, sehnt er sich offenbar zwischen den Zeilen nach dieser Zeit herbei.

Anschließend warnt Humer noch vor dem Weltuntergang in Form des Stuttgarter CSD: „Am kommenden Wochenende werden an die 170.000 homosexuell ‚Orientierte‘ Stuttgart terrorisieren. Sie werden, wie es üblich ist, ihre Forderungen nicht vornehm vorbringen, sondern mit viel Geschrei und Lärm und auch mit brutaler Gewalt. Mögen die Homosexuellen schreien und plärren, was sie wollen. Krankheiten werden immer Krankheiten bleiben“, gibt sich Humer unbeirrbar.

Der Stuttgarter CSD ist für viele fundamentalistische Katholiken ein Ärgernis, da sich in Stuttgart auch die deutsche Zentrale der Piusbrüder befindet. Immer wieder gab es auch kleine Gegendemonstrationen – die ebenfalls „nicht vornehm, sondern mit viel Geschrei und Lärm“ abliefen, um Humer zu zitieren. Der Verweis auf den Stuttgarter CSD ist auch ein Hinweis auf die unbekannten Urheber von „kreuz.net“. Diese werden im Dunstkreis der radikalkatholischen Pius-Bruderschaft vermutet. Um mit ihren hetzerischen Inhalten nicht verklagt werden zu können, ist im Impressum ein „Sodalitium for ‘Religion and Information’“ als Herausgeber vermerkt – mit Sitz im kalifornischen El Segundo, faktisch unerreichbar für österreichische oder deutsche Gerichte.

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