[Video] Kannte Täter das Lesben- und Schwulenzentrum in Tel Aviv?

Der Unbekannte, der gestern abend ein lesbischwules Jugendzentrum gestürmt und dabei wild um sich geschossen hat, muss sich den Ort gezielt ausgesucht haben. Das vermutet Yaniv Weisman gegenüber der BBC. Er ist Vorsitzender der Israeli Gay Youth, die das Treffen abgehalten hat. „Es ist kein Ort, den man von außen sieht“, erklärt Weisman. Bis gestern abend sei Treffpunkt ein „sicherer Ort“ für Jugendliche aus der ganzen Region gewesen, die Gleichgesinnte treffen wollten. Die vom Täter Getroffenen seien „sehr jung“ gewesen.

Weisman sagte weiter, die lesbischwule Community Israels möchte nun wissen, warum sie zur Zielscheibe wurde. „Wir haben heute eine Botschaft erhalten – eine sehr starke Botschaft, ein rotes Licht, dass Israel, Tel Aviv, kein sicherer Platz mehr sind – für niemanden“, so der Aktivist, der auch Stadtrat in Tel Aviv ist.

Eines der überlebenden Opfer, der 16-jährige Or Gil, der wegen Verletzungen an Brust und Knie im Krankenhaus behandelt wurde, erzählte der Zeitung „Haaretz“, wie er den Anschlag erlebt hat. Zunächst gingen die Jugendlichen von einem Scherz aus. „Aber er eröffnete sofort das Feuer. Menschen sprangen unter Tische. Es ist ein kleiner Raum, mit nur einem Ausgang. Wenn man erst drinnen ist, kannst man nicht fliehen.“

Besonders tragisch: Einige Eltern von Opfern wussten bis jetzt nicht, dass ihre Kinder schwul oder lesbisch sind. „Ich bin schockiert, dass einige Eltern über diesen Weg von der Homosexualität ihres Kindes erfahren“, ist Gil erschüttert.

Für den Journalisten und schwule Aktivisten Danny Zak war es nur eine Frage der Zeit, dass so ein Anschlag passiert. Die ultrakonservative Shas-Partei habe „das Blut von zwei unschuldigen Jugendlichen an ihrer Hand“, da sie das schwulenfeindliche Klima angefeuert habe, erklärt Zak. So hat die Shas-Partei behauptet, dass Homosexualität zu einem Erdbeben führen würde.

Allerdings gibt es dafür noch keine gesicherten Erkenntnisse – das Blog „Politically Incorrect“ schließt zum Beispiel einen palästinensischen Täter nicht aus.