Frau in Polen wegen „Schwuchtel“-Sager zu fast 4.000 Euro Strafe verurteilt

Die Verurteilung einer schwulenhassenen Frau sorgt in Polen für Aufregung. Wegen wiederholter Beleidigungen war eine 44-Jährige zu 15.000 Zloty, umgerechnet 3.700 Euro, Geldstrafe verurteilt worden. Konservativen Politikern ist das Urteil zu hoch.

Die Richterin am Kreisgericht Stettin sah es als erwiesen an, dass die 44-jährige Anna S. das recht des Klägers auf Würde und Privatleben verletzt habe: So hat sie zum Beispiel den 25-jährigen Ryszard Giersz in einem Supermarkt in der Kleinstadt Wolin öffentlich beleidigt, indem sie quer durch das Geschäft „Schaut, die Schwuchtel hat eine andere Schwuchtel mitgebracht“ gerufen hat. Und diese Beleidigung war kein Einzelfall: So hat sie auch einmal nachweislich „Habe die Schwuchteln wieder für einen Fick in den Park gehen sehen“ gesagt, auch weitere Beleidigungen sind dokumentiert.

Für die Richterin war der Gebrauch des Wortes „Pedal“ („Schwuchtel“) beleidigend. Außerdem habe der Kläger das Recht, selbst zu entscheiden, wen er über seine sexuelle Ausrichtung informiert. Deshalb hat sie die für polnische Verhältnisse hohe Strafe über die 44-Jährige verhängt.

Konservativen Politikern ist die Strafe allerdings zu hoch: Pawel Poncyliusz von der nationalkonservativen Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) gab zwar zu, dass „Schwuchtel“ ein „flegelhafter Ausdruck“ sei, aber nicht schlimm genug, um für den Gebrauch des Wortes bestraft zu werden. Und der Vizepräsident des Parlaments, Stefan Niesiolowski von der regierenden rechtsliberalen Bürgerplattform (PO), erklärte, das Schmerzensgeld sei „unwahrscheinlich hoch“. Niesiolowski war auch schon durch schwulenfeindliche Äußerungen aufgefallen: Im letzten Jahr hat er ein Kinderverbot für Schwule und Lesben gefordert.

Begrüßt wird das Urteil hingegen von den oppositionellen Sozialdemokraten. Eine Sprecherin erklärte, dass „Schwuchtel“ neben „Jude“ das am meisten gebrauchte Schimpfwort in Polen sei.

Polen gehört zu den lesben- und schwulenfeindlichsten Ländern in der Europäischen Union. So hat Polen sogar eine Ausnahmeregelung für die EU-Grundrechtecharta erhalten, die auch eine Gleichbehandlung von Homosexuellen festschreibt.