70.000 Menschen gedenken in Tel Aviv den Opfern des Anschlags

Eine Woche nach dem Anschlag auf ein lesbischwules Jugendzentrum in Tel Aviv haben Samstag abend bis zu 70.000 Menschen den Opfern bei einer Trauerkundgebung gedacht. Bei dem Anschlag schoss ein maskierter Mann im Keller des Schwulen- und Lesbenzentrum wild um sich, als dort ein Treffen für schwule und lesbische Jugendliche stattfand. Ein 16-jähriges Mädchen und ein 26-jähriger Gruppenleiter wurden getötet, rund 15 weitere junge Menschen verletzt.

Präsident Shimon Peres sagte, er sei zu der Kundgebung am Yitzak-Rabin-Platz gekommen, um mit der schwul-lesbischen Community „die Tränen zu teilen“. Der Täter habe nicht nur auf die beiden Opfer, sondern „auf uns alle“ geschossen, so Peres: „Alle haben das Recht, anders zu sein und stolz darauf zu sein. Aber niemand hat das Recht, sich in das Leben anderer Menschen einzumischen“, so der Staatschef.

Auf der Bühne war auch ein Opfer des Anschlages. Der Teenager sprach im Rollstuhl, die kurzen Hosen zeigten seine verbundenen Knie. Während seine Rede wechselte sein Gesichtsausdruck zwischen Trauer, Schmerz und Wut: „Dieses Zuhause, das ein sicherer Platz für Jugendliche war, wurde zu einem Schlachthaus.“ Jetzt sei der Tag, „um unsere Stille zu beenden, das Verstecken“.

Ein anderer Teenager erzählte, er hatte die ganze Woche Albträume. „Aber kein Mord wird uns am Coming Out hindern.“ Auch die junge Schwester des ermordeten Gruppenleiters Nir Katz ermutigte die Jugendlichen.

Bei der Suche nach dem Attentäter ist die Polizei bis jetzt nicht weitergekommen. Sie schließtneben persönlicher Rache auch Hass auf Schwule und Lesben als Motiv des flüchtigen Täters nicht aus. Am Nachmittag vor der Feier wurde ein 20-jähriger Soldat festgenommen, der Teilnehmern der Gedenkveranstaltung mit Granatenangriffen gedroht hatte. Bei Busunternehmen, die Teilnehmer aus dem ganzen Land nach Tel Aviv transportierten, sind weitere Drohungen eingegangen.