Berlusconi-Zeitung „Vatikan-Jounalist schwul“

Erhebliche Spannungen gibt es derzeit zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung. Grund dafür: Die Zeitung „Il Giornale“, die zum Medienimperium von Ministerpräsident Silvio Berlusconi gehört, hat den Chefredakteur der Zeitung „L’Avvenire“, Dino Boffo, als schwul beschimpft. „L’Avvenire“ gehört der italienischen Bischofskonferenz. Jetzt versucht Berlusconi die Probleme herunterzuspielen.

„Il Giornale“ berichtete unter anderem, dass Boffo 2004 zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, weil er die Frau seines homosexuellen Freundes bedrohte. Hintergrund für den Angriff: „L’Avvenire“ hatte in den vergangenen Wochen wiederholt Berlusconi wegen seiner angeblichen Sexgeschichten und wilder Partys kritisiert. Berlusconi distanzierte sich zwar von dem Artikel, die katholische Bischofskonferenz reagierte dennoch mit Entrüstung: Ein am Freitag vorgesehenes Treffen des Premiers mit Kardinalstaatssekretär Bertone wurde vom Vatikan kurzfristig abgesagt. Außerdem rief Bertone Boffo telefonisch auf, sich von den Attacken nicht einschüchtern zu lassen. Er bestritt außerdem, dass die Bischofskonferenz den Chefredakteur ersetzen wollte. Boffo kündigte an, Vittorio Feltri, Chefredakteur des „Giornale“ zu klagen. Für Kardinal Angelo Bagnasco war der Artikel „ein widerlicher und schwerwiegender Angriff“.

Der Premierminister sieht das aber anders: „Es gibt keine Distanz zwischen Regierung und Vatikan, die Kontakte und der fast tägliche Dialog mit dem Heiligen Stuhl bleiben aufrecht“, ist sich Berlusconi heute sicher.