Brutale Anschlagserie gegen Lesben und Schwule erschüttert Rom

Nach einer Reihe schwulen- und lesbenfeindlicher Angriffe in Rom haben italienische Lesben- und Schwulenorganisationen heute abend zu einer Demonstration aufgerufen. Innerhalb von zwei Wochen gab es fünf schwere Angriffe gegen Homosexuelle – den letzten davon in der Nacht auf heute, als vier Unbekannte zwischen 20 und 25 Jahren zwei Brandsätze in ein Lokal in der Via San Giovanni in Laterano geworfen haben – zwei waren auf einem Motorrad unterwegs, zwei zu Fuß. Die Straße neben dem Kolosseum gilt als „Gay Street di Roma“, weil sich dort besonders viele Lokale und Shops angesiedelt haben. Bei dem Knallkörper-Angriff wurden mehrere Personen verletzt. Letzten Mittwoch wurde in dieser Straße bereits eine Lesbe vor mehreren Jugendlichen bedroht.

Vor zwei Wochen wurde ein schwules Paar, dass sich vor dem Eingang eines Lokals in Rom geküsst hat, von einem 40-jährigen Mann mit einem Messer angegriffen. Einer der Männer erlitt Kopfverletzungen, der andere schwere Verletzungen der inneren Organe. Eines der Opfer befindet sich noch in kritischem Zustand. Der Täter, ein amtsbekannter und vorbestrafter Rechtsradikaler, wurde festgenommen.

Letzten Mittwoch wurde außerdem eine Schwulendisco durch einen Brandanschlag zerstört. Das Lokal war zum Zeitpunkt der Attacke nicht geöffnet. Und letzte Woche wurde außerdem ein schwules Paar bei einem Streit um einen Parkplatz in Rimini verprügelt. Eines der Opfer ist ein bekannter italienischer Journalist, der sich für Lesben- und Schwulenrechte einsetzt.

Aurelio Mancuso, Vorsitzender des größten italienischen Lesben- und Schwulenverbandes „Arcigay“ ist über das Klima des Hasses gegen Homosexuelle in Italien besorgt: „Jeden Tag werden uns homophobe Aktionen gemeldet.“ Deshalb hat Paola Concia, Abgeordnete der oppositionellen PD (Demokratische Partei), einen Gesetzesentwurf eingereicht, der „sexuelle Intoleranz“ als erschwerenden Umstand bei Delikten gegen die Person betrachtet. Ihr Anliegen wird von der Opposition aktiv unterstützt.

Der rechte Bürgermeister Gianni Alemanno verurteilte die Angriffe und sprach von „unannehmbarer Gewalt“. Allerdings kritisiert die Opposition, Rom sei nach dem Wahlsieg von Alemanno im letzten Jahr eine „offene Stadt für Faschisten“.