Folsom-Treiben in Berlin geht Bewohnern des Viertels zu weit

Für Aufregung sorgt derzeit das schwule Lederfestival „Folsom Europe“ bei den Anrainern im Viertel rund um die Motzstraße in Schöneberg, wo die Teilnehmer ausgelassen feiern.

Wie die Zeitschrift „Siegessäule“ berichtet, gab es im Vorjahr zahlreiche Beschwerden über das Verhalten der Leder- und Latexszene: Die Bewohner beschwerten sich über Sex auf offener Straße zur Mittagszeit, Fetischmumien auf dem Gehsteig, Urinieren und die Konfrontation von Schulkindern mit einer sehr offen gelebten Fetischszene – zumal das Festival oft auch mit dem Schulbeginn in Berlin zusammenfällt.

Für heuer hat Volker Spahn, Präsident des Folsom Europe e.V., vorgesorgt: Er wollte mit den Anrainern im Vorhinein in Kontakt treten. Einzig – es interessierte keinen. Zu einem Infoabend kamen nur zwei Personen. „Das muss ja ein brennendes Thema sein, wenn keiner zu unserem Treffen kommt“, wundert sich Spahn. Auch die Kontakt-Hotline, die der Vereins für die Anrainer geschaffen hat, wurde angeblich noch von niemandem genutzt.

Trotzdem regt das Fetischfestival viele Bewohner des Viertels auf. Eine von ihnen erzählt der „Siegessäule“ aufgebracht: „Es wird überall hingepullert und Sex gemacht. Mein Enkelkind hat das auch schon gesehen und fragt, warum die zwei Männer das machen.“ Die Szene selbst kann das nicht verstehen: „Die Ledercommunity ist höchst bürgerlich und konservativ. Die bringen außerdem Tausende von Euros in die Stadt. Und was jeder barbusigen Hetera erlaubt ist, sollten wir auch dürfen!“, meint einer der Teilnehmer.

Um das gespannte Verhältnis nicht zu gefährden, hat der Veranstalter gut 70 Securities organisiert, auch die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz helfen mit. Außerdem macht die „Respekt“-Kampagne des Vereins die Teilnehmer bereits im Vorfeld darauf aufmerksam, wie sie sich verhalten sollen: Die kostenlosen Toiletten sind zu benutzen, Geschlechtsteile zu bedecken, Sex in der Öffentlichkeit hat zu unterbleiben. „Es ist eine Frage der Kinderstube, also wundert es mich persönlich, wenn Leute auf der Straße Sachen machen wollen, die eigentlich woandershin gehören“, so Spahn. Denn das Festival ist gar nicht so dreckig, wie alle vermuten: „Nach dem Folsom ist die Straße so sauber wie nie! Wir haben sogar die Baulöcher schließen lassen“, erklärt er der „Siegessäule“.

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