Erster schwuler Ehrenmord-Prozess beginnt in Istanbul

In Istanbul-Üsküdar beginnt heute der Prozess gegen den Vater von Ahmet Yildiz. Der 49-jährige bankrotte Gemüse-Exporteur soll seinen Sohn umgebracht haben, weil er schwul war. Der Angeklagte selbst ist bei dem Prozess nicht anwesend: Yahya Yildiz ist vor einer Verhaftung vermutlich in den Nordirak geflohen. Das Verfahren gilt als erster Ehrenmord-Prozess an einem Schwulen in der Türkei. Der Staat reagiert damit auf den öffentlichen Druck, den der Partner von Ahmed Yildiz, der 44-jährige Deutschtürke Ibrahim Can, mit Hilfe der internationalen Presse und Menschenrechtsorganisationen erzeugt hat.

Yahya Yildiz soll seinen Sohn Ahmet, einen 26-jährigen Physikstudenten, im Juli 2008 wenige Stunden vor seiner Abschlussprüfung in Istanbul auf offener Straße erschossen haben. Dieser kann sich nach den Schüssen noch in sein Auto schleppen, verliert dann aber das Bewusstsein. Er stirbt kurz darauf im Krankenhaus.

Der Ehrenmord hätte vielleicht verhindert werden können: Bereits Wochen vor dem Mord wollten das Opfer und sein Partner bei der Polizei Anzeige erstatten, weil sie von der Familie Yildiz bedroht wurden. „Hätten die Behörden unsere Anzeige ernst genommen, wäre er noch am Leben“, ärgert sich Can über die Untätigkeit der türkischen Behörden.

Links zum Thema