Ungarn streitet um Stiefkindadoption

In Ungarn sorgt die Stiefkindadoption für schwule und lesbische Paare für Konflikte. Weil Homosexuelle im neuen Bürgerliche Gesetzbuch Ungarns nicht die Möglichkeit haben, Kinder ihrer Partner aus früheren Beziehungen zu adoptieren, rief der ungarische Bund der Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen (LMBT) Staatspräsident Laszlo Solyom auf, das neue Bürgerliche Gesetzbuch nicht zu unterzeichnen und damit zur Neuberatung ins Parlament zu schicken.

Das ungarische Parlament hatte am Montag mit sehr großer Mehrheit von 328 zu 20 Stimmen bei sechs Enthaltungen für das neue Bürgerliche Gesetzbuch gestimmt. Unter anderem wurde ein Änderungsantrag abgelehnt, durch den Lesben und Schwule in Eingetragenen Lebenspartnerschaften Kinder ihres Partners hätten adoptieren können. Zuvor hatten sowohl die Regierung und als auch Fachausschüsse diesen Antrag unterstützt. Der LMBT will deswegen notfalls beim ungarischen Verfassungsgericht und beim Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg gegen das neue Bürgerliche Gesetzbuch klagen.

Die regierende Sozialistische Partei (MSZP) erklärte in einer Stellungnahme, es sei notwendig gewesen, einen Unterschied zwischen der Ehe und der amtlich registrierten Beziehung festzuschreiben.

Schwule und lesbische Paare können in Ungarn ihre Beziehung seit dem 1. Juli registrieren lassen. In dieser nicht-ehelichen Lebensform sind vor allem Vermögens- und Erbschaftsfragen geregelt.