Kanada streitet um schwule Blutspenden

In Kanada ist ein Streit um die Blutspende für Schwule entbrannt: Ein Blutspendedienst verklagt einen schwulen Mann, weil dieser gespendet hat, obwohl es ihm verboten war. Der Mann wiederum verklagt den Blutspendedienst wegen Diskriminierung.

Insgesamt hat Kyle Freeman aus Ottawa den Canadian Blood Services 18 Mal Blut gespendet. Auf dem Fragebogen, den er vorher ausfüllen musste, hat er gelogen und angegeben, nicht schwul zu sein. Denn in Kanada sind, wie in Österreich, Männer, die einmal Sex mit einem Mann hatten, von der Blutspende ausgeschlossen.

Bei einer Routinekontrolle stellte sich heraus, dass sich der 36-Jährige mit Syphilis angesteckt hatte. Darauf angesprochen gab er zu, schwul zu sein – und wurde verklagt. Jetzt landete der Prozess vor dem Richter. Freeman argumentierte, sein Infektionsrisiko sei nicht höher als das heterosexueller Männer. Außer mit seinem Partner hatte er keinen ungeschützten Sex, und er ließ sich regelmäßig auf HIV testen. „Das Risiko war meiner Ansicht nach nahe Null“, so Freeman. „Mein Vater war ein Blutspender. Er hat mir immer beigebracht, dass das der beste Weg ist, Menschen zu helfen.“

Deshalb hat er nun wegen Diskriminierung eine Klage gegen die Canadian Blood Services eingereicht. Schließlich sei in der kanadischen Verfassung verankert, dass niemand wegen seiner sexuellen Orientierung benachteiligt werden darf – und das gelte auch fürs Blutspenden.

Schwule Männer sind in vielen Ländern vom Blutspenden ausgeschlossen. Das ist eine Folge der Aids-Hysterie in den 1980er-Jahren. Noch heute heißt es, dass Schwule durch ihr Sexleben prinzipiell zu einer Risikogruppe gehörten. Zwar wird das Blut immer auch auf sexuell übertragbare Krankheiten getestet, doch HIV kann erst Wochen nach der Infektion festgestellt werden. Aktuelle Studien haben aber gezeigt, dass das Risiko von Komplikationen durch eine alte Blutkonserve höher ist als die Gefahr, sich durch schwules Blut mit HIV anzustecken.

Länder wie Thailand, Russland, Italien und Spanien haben deshalb das generelle Blutspendeverbot für schwule Männer bereits aufgehoben.