Französischer Kulturminister wegen Thai-Boys in Kritik

Für Aufregung sorgt ein autobiografisches Buch von Kulturminister Frédéric Mitterrand, weil er dort von Sex mit jungen Burschen in Thailand schwärmt.

Ins Rollen kam der Fall weil der offen bisexuelle 62-Jährige, Neffe von Ex-Präsident François Mitterrand, Partei für den in Zürich verhafteten Regisseur Roman Polanski ergriff. Er wird in den USA seit über 30 Jahren wegen Sex mit einer Minderjährigen gesucht.

Daraufhin hat die rechtsnationale „Front National“ (FN) die Jagd auf den Minister eröffnet: FN-Vizechefin Marine Le Pen las am Montag in einer TV-Diskussion Passagen aus dem Buch „La mauvaise vie“ (Das schlechte Leben) vor, das Mitterand vor vier Jahren herausgebracht hat. „Was kann man den Sexualstraftätern sagen, solange Frédéric Mitterrand noch Kulturminister ist?“, fragte Le Pen.

Allerdings: Damals bescherte ihm das Buch einen schönen Erfolg. 190.000 Exemplare wurden davon verkauft, und auch die Kritik geizte nicht mit Lob und Anerkennung.

In den Passagen, die ihn jetzt in die Kritik bringen, erzählt er freizügig über Schwulen-Bordelle in Asien: „All diese Rituale des Marktes für schöne Jünglinge, des Sklavenmarktes, erregen mich gewaltig. Die verschwenderische Fülle sofort verfügbarer Jungs versetzt mich in einen Zustand der Begierde, den ich nicht mehr bremsen oder verbergen muss“, schreibt er.

Mitterand fährt fort: „Geld und Sex, ich bin im Herzen meines Systems. (…) Die westliche Moral, die ewige Schuld, die Schmach, die ich mit mir herumschleppe, fliegen in Stücke.“ Jetzt diskutieren französische Politiker, ob Mitterrand mit Jugendlichen Sex hatte – und ob diese minderjährig waren. Mitterand selbst verwendet nur den alterslos benutzten Begriff „Junge“. Und das bedeute nicht „minderjährig“, betont er. „Von der Nationalen Front in den Schlamm gezogen zu werden, ist eine Ehre“, sagte der Kulturminister stolz. „Wenn ein linker Abgeordneter mich in den Schlamm zieht, ist das eine Schande für ihn.“

Denn auch von der oppositionellen Linken kommt harsche Kritik: Der sozialistische Abgeordnete Arnaud Montebourg rief Präsident Nicolas Sarkozy auf, Mitterrand zu entlassen. Mitterrand habe „vorsätzlich unter Verletzung der nationalen und internationalen Gesetze gehandelt“, erklärte Montebourg. Das Gesetz müsse für alle gelten. „Außerdem ist es unmöglich, dass ein Minister, der Frankreich vertritt, die Verletzung der internationalen Engagements zum Kampf gegen den Sex-Tourismus ermutigen kann. Seine Ablösung ist daher zwingend.“

Der Grüne Europa-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit nennt Mitterands Werk ein „schreckliches Buch“, und glaubt, es sei eine öffentliche Therapie für den Kulturminister gewesen: „Das ist mutig von Mitterrand“, so Cohn-Bendit. Die Grünen-Chefin Cécile Duflot warnte dagegen vor einer Vermengung von Pädophilie und Homosexualität.

Sarkozys Sonderberater Henri Guaino verteidigt Mitterrand hingegen: „Wurde er vor Gericht gestellt? Es gibt keine Fakten“, sagte Guaino. „Die politische Debatte nimmt manchmal pathetische Allüren an. All das ist voller Exzesse und reichlich unwürdig.“

Die französische Polizei weist darauf hin, dass auf Sex mit minderjährigen Prostituierten bis zu drei Jahre Haft stehen. „Als Polizeigewerkschaft halten wir es für unsere Pflicht, die Gesellschaft vor Sexjägern zu schützen, auch wenn es sich um Minister handelt.“ Mitterrands „Geständnis in seinem Buch reicht vollkommen, um Vorermittlungen zu diesem schwerwiegenden Tatbestand aufzunehmen“.

Allerdings weisen Thailand-Experten im Online-Portal „queer.de“ darauf hin, dass Wörter wie „Thai-Boy“ nichts über das Alter aussagen, da sich thailändische Schwule sich selbst im Alter von 40 Jahren noch als „Jungs“ bezeichnen. Außerdem wird in öffentlichen Gogo-Bars entgegen der gängigen Klischees auf die Volljährigkeit der Models geachtet, um nicht die Lizenz zu verlieren.

In Thailand ist Prostitution offiziell verboten, wird aber in Vergnügungsvierteln geduldet. Gegen Kinderprostitution gehen die Behörden mit äußerster Härte vor.