Schwulenfeindliche Kolumne über Gately empört England

Eine homophobe Kolumne der „Daily Mail“ über den Tod von Boyzone-Sänger Stephen Gately sorgt besonders im Internet für Ärger. Denn Jan Moir, eine der Kolumnistinnen der Zeitung, hat den Tod des 33-Jährigen mit seiner Homosexualität in Verbindung gebracht.

Gately starb vor zwei Wochen auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorca an einem Lungenödem – also einer natürlichen Todesursache. Und auch, wenn der Sänger Spuren von Cannabis und Alkohol im Blut hatte, waren diese für den Tod nicht verantwortlich. Trotzdem betitelte Moir in der Online-Version der „Daily Mail“ die Kolumne „Warum an Stephen Gatelys Tod nichts ’natürlich‘ war“. Unter dem „Panzer der glitzernden, hedonistischen Berühmtheit“ sei der „Schlamm eines völlig anderen und gefährlicheren Lebensstils“ herausgesickert, analysiert die Autorin. Mit „gefährlichem Lebensstil“ meint Moir Gatelys Homosexualität. Schließlich sei er in der Nacht vor seinem Tod in einer Bar gewesen und habe mit seinem Lebenspartner einen jungen Bulgaren nach Hause mitgenommen. Was für Moir heißt, Gately sei unter „widerlichen“ Umständen gestorben. Woher sie die moralische Integrität hat, das zu beurteilen, weiß keiner. Normalerweise erklärt sie in ihrer Kolumne, ab wann Frauen aufhören sollten, ihr Dekolleté zur Schau zu stellen.

Bereits kurz nach der Veröffentlichung auf der Website machte der Text über Twitter und Facebook die Runde. Erste Beschwerden gingen ein. Die „Daily Mail“ versuchte zurückzurudern – in der gedruckten Ausgabe hatte die Kolumne plötzlich die Überschrift „Ein seltsamer, einsamer und ärgerlicher Tod“.

Doch es war zu spät: Bei der britischen „Press Complaints Commission“, die den britischen Pressebetrieb regelt, beschwerten sich mehr als 22.000 Menschen – an einem Wochenende hat sie damit mehr Beschwerden bekommen als in den vergangenen fünf Jahren zusammen. Der offen schwule Autor Stephen Fry rief seine Fans auf, sich an dem Protest zu beteiligen. Moirs Text sei homophob und unsensibel. Werbekunden wie die Einzelhandelskette Marks & Spencer ließen ihre Werbung von der Website der Kolumne nehmen. Die Beschwerde-Kommission untersucht jetzt, ob Moir Respekt und Würde Gatelys, seiner Familie und Freunde verletzt hat.

Mittlerweile hat sich auch die „Daily Mail“ klar von den Aussagen ihrer Kolumnistin distanziert. Autorin Janet Street-Porter schreibt, sie sei erstaunt gewesen, den Text zu lesen. Denn: „Stephen Gately starb eines natürlichen Todes, nicht durch die Schuld eines Anderen.“ Es „geht uns nichts an“, wenn er eine Disco gegangen sei und einen Mann mit in seine Wohnung genommen habe. Er sei nicht gestorben, weil er homosexuell gewesen sei.

Jan Moir kann die Aufregung um ihre Kolumne noch immer nicht verstehen. Sie geht unterdessen in die Offensive. Die Gegenreaktion sei „bösartig“ und eine „inszenierte Internet-Kampagne“, lässt die Boulevardkolumnistin ausrichten.