Indonesische Islam-Vertreter verteidigen Homosexualität

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta haben gemäßigte Vertreter des Islams bei einer Konferenz erklärt, dass Homosexualität kein Gegensatz zu ihrer Religion sei. Veranstaltet wurde die Konferenz von der Menschenrechtsorganisation Arus Pelangi.

So forderte beispielsweise die international anerkannte islamische Frauenrechtlerin Siti Musdah Mulia ein Ende der Verfolgung von Lesben und Schwulen: „Es gibt keinen Unterschied zwischen Lesben und Nichtlesben. In den Augen Gottes werden Menschen nach ihrer Frömmigkeit beurteilt“, erklärte sie. „Das wesentliche Element des Islams ist es, Menschen menschlicher zu machen, sie zu respektieren und mit Würde zu behandeln“.

Auch ein sunnitischer Geistlicher unterstützte mehr Rechte für Lesben und Schwule im Islam. Seiner Meinung nach sei die heute vorherrschende heterosexuelle Gesellschaft von Menschen künstlich geschaffen worden und habe mit der Religion nichts zu tun: „Wie das Geschlecht oder die Vorherrschaft der Männer, ist auch Heterosexualität ein soziales Konstrukt. Dies hat dazu geführt, dass die Mehrheit Homosexualität verboten hat“, so der Geistliche.

Ein konservativer Teilnehmer an der Konferenz bekräftigte hingegen seine Meinung, dass Homosexualität Sünde sei.

Indonesien ist das einwohnerstärkste islamische Land der Welt. Homosexualität ist zwar nicht prinzipiell verboten, aber ein Tabu. Es gibt auch Haftstrafen wegen Homosexualität. Die halbautonome Provinz Aceh hat aber im September beschlossen,Homosexuelle auspeitschen zu lassen; Ehebrechern droht sogar die Steinigung.