Eröffnung von „staatlicher Schwulenbar“ in China verschoben

In der chinesischen Stadt Dali in der Provinz Yunnan ist die Eröffnung einer staatlich unterstützten Schwulenbar am großen Medieninteresse gescheitert.

Die Bar ist eine Idee von Zhang Jianbo, einem Arzt, der auch in der Aids-Hilfe tätig ist. Er will so die schwulen und bisexuellen Männer der Stadt erreichen und so auch wichtige Informationen zur HIV-Prävention verbreiten: „Wir verkaufen nicht einmal Getränke“, erklärt Jianbo der „Global Times“: „Das Lokal soll als Tribüne dienen, um Schwule über Aids und Safer Sex aufzuklären.“ Die Stadtregierung unterstützt diese Initiative mit umgerechnet 12.000 Euro, betrieben wird das Lokal von freiwilligen Helfern der Schwulengruppe „Good Friend Working Group“.

Während eines Probebetriebs im November kamen täglich rund zwanzig bis dreißig Gäste – diese blieben der offiziellen Eröffnung am 1. Dezember, dem Welt-Aids-Tag, fern: Sie wollten einfach nicht in der Zeitung oder dem Fernsehen zu sehen sein. Dr. Jianbo verschob deshalb die Eröffnung auf „unbestimmte Zeit“, wenn die Kameras und Reporter sich nicht mehr für die Bar interessieren.

In Yunnan lebt etwa ein Viertel der 740.000 HIV-positiven oder Aids-Kranken Chinas, ein Großteil davon in Dali. Nach Informationen des chinesischen Gesundheitsministeriums gab es 2009 fast 50.000 Neuinfektionen, davon ein Drittel unter Männern, die Sex mit Männern haben. Sie sind im konservativen China nur sehr schwer durch Aufklärungsmaßnahmen zu erreichen.