Anglikanischer Bischof erlaubt Lesben und Schwulen kirchliche Heirat

In Boston, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Massachusetts, können homosexuelle Paare ab sofort auch von anglikanischen Pfarrern getraut werden. Bischof Thomas Shaw hat dies seinen Priestern erlaubt.

Die christliche Heirat sei eine „sakramentale Zeremonie“, erklärt Shaw auf der Webseite der Diözese. Auch wenn der Ritus nicht für jeden notwendig sei, müsse er doch allen offenstehen: „Es ist an der Zeit, dass wir Schwulen und Lesben dieselben Rechte auf das Ehe-Sakrament einräumen wie heterosexuellen Paaren“, zitierte die Zeitung „Boston Globe“ den Bischof.

Shaw betont, dass es sich um eine Erlaubnis handle, nicht um eine Anordnung. Jeder Geistliche dürfe die Trauung ablehnen. Die neue Regel gilt seit dem ersten Adventsonntag.

Grund für die Erlaubnis ist für Shaw die gesetzliche Situation in Massachusetts: Der Neuengland-Bundesstaat hat die Ehe im Jahr 2004 für Lesben und Schwule geöffnet, was zu einem Gegensatz zwischen dem Zivilrecht und den Richtlinien der Kirche geführt habe, so Shaw. „Geistliche hätten Hochzeiten gleichgeschlechtlicher Partner nicht feiern, diese aber anschließend segnen dürfen“, erklärt der Bischof. Diesen Gegensatz hat Shaw durch seine Trauungserlaubnis aufgehoben.

Innerhalb der anglikanischen Kirche könnte die Entscheidung des Bischofs für Konflikte sorgen. So haben sich einige konservative Kräfte bereits aus der traditionell liberalen anglikanischen Kirche der USA, der Episkopalkirche, abgespalten. Unterstützung bekommen sie dabei von afrikanischen Bischöfen, die gegen Homosexuelle hetzen. Weltweit gibt es rund 77 Millionen Anglikaner.